„Les Jardins de Belval“ sollte ein Seniorenheim der Extraklasse werden. Aber nun steht das Gebäude seit zwei Jahren leer. Die vorgesehenen Betreiber sind abgesprungen und der Hauptinvestor schweigt. Dabei fehlt es landesweit an Zimmern in Altenheimen.
Ganz am Ende des Boulevard des Lumières, umgeben von Start-ups und einer Riesenbaustelle, warten die „Jardins de Belval“ auf ihr Schicksal. Die vertikalen Gärten an der Fassade sind teilweise braun und aus der gläsernen Eingangstür wächst eine meterhohe Distel. Wer einen Blick durch die schmutzigen Fenster wirft, sieht nur leere Empfangsräume. Lediglich ein paar Arbeiter sorgen dafür, dass der üppige Garten nicht komplett verwildert.
Dabei sollte das im Juni 2019 vorgestellte Projekt in Belval eigentlich Vorzeigecharakter haben. 132 Wohneinheiten für Senioren, ein Restaurant und ein eigenes Ärztezentrum sowie ein Physiotherapieraum sollten dort Platz finden und es somit auch älteren Menschen erlauben, sich auf der sanierten Industriebrache wohlzufühlen.
Ein erfahrener Investor
Träger des Projekts ist die „Fédérale Assurance“, eine größere belgische Versicherungsfirma – mit einem Umsatz von 4,16 Milliarden im Jahr 2023. Es ist nicht ihr erstes Investment in Luxemburg und auch nicht in Belval. Bereits 2015 kaufte der Versicherer ein Studentenwohnheim in der Avenue du Swing, für eine nicht genannte Summe. Dieses Gebäude vermietet Fédérale Assurance nun an die Uni. Weitere Recherchen von Reporter.lu ergaben, dass sich auch Premium-Immobilien in Rollingergrund im Immobilien-Portfolio der Versicherungsfirma befinden.
Versuche, Fédérale Assurance zu fragen, warum die Gesellschaft ihr Investment leer stehen lässt, verliefen im Sand. Die Direktion des Versicherers hüllt sich in Schweigen. Und auch ihre Finanzchefin, die laut Handelsregister die Firma „Rosenstein S.A.“, der das Gebäude der „Jardins de Belval“ gehört, mit verwaltet, antwortete nicht auf Anfragen von Reporter.lu. Klar ist aber: Das Unternehmen verliert Geld. Den beiden letzten Berichten zufolge, die im Handelsregister hinterlegt wurden, verlor die Firma über eine Million Euro in zwei Jahren.
Unseren Informationen zufolge gibt es momentan keinen Betreiber und keine Aktivitäten in diesem Projekt.“Copas-Pressesprecherin
2019 sollte die belgische Firma „Vulpia“ das Seniorenheim betreiben – so stand es zumindest in den offiziellen Papieren. Besitzer von Vulpia ist der ehemalige Banker Luc Van Moerzeke, der Rang 621 auf der Liste der reichsten Belgier belegt. Angestoßen hatte das Projekt aber ein Betreiber aus Luxemburg: die „Verbandskëscht“. Deren Besitzer Alex Mergen gründete 2022, als das Gebäude fast fertig war, die Firma „Les Jardins de Belval“, deren Gesellschaftszweck es war, das Altenheim zu betreiben.
Ende 2022 stieg auch Vulpia ein und damit ein weit größerer Partner. Vulpia betreibt in ganz Belgien Altenheime. Doch dann kam die Maschinerie ins Stocken. Auf Nachfrage von Reporter.lu bestätigt das zuständige Familienministerium, dass es im Sommer 2022 von „Les Jardins de Belval“ einen Antrag für eine Betriebsgenehmigung erhielt: „Das Familienministerium hat den Betreiber am 22. Juli 2022 darüber informiert, dass das Dossier nicht komplett sei.“ Trotz einer Antwort des Betreibers im August und eines weiteren Briefes des Familienministeriums im darauffolgenden Jahr herrsche seitdem Funkstille seitens des Betreibers. Vulpia selbst reagierte bis Redaktionsschluss nicht auf die Fragen von Reporter.lu.
Deshalb könne das Familienministerium momentan auch nicht sagen, ob eine Genehmigung erteilt werden kann oder nicht. Noch etwas fällt in diesem Zusammenhang auf. Im Handelsregister findet sich auch eine gemeinnützige Vereinigung (Asbl) mit dem Namen „Vulpia“. Der Präsident des Vereins ist Luc Van Moerzeke, weitere Mitglieder des Verwaltungsrates sind seine belgischen Firmen, die hinter Vulpia stehen. Handlungszweck der Vereinigung ist das Betreiben eines oder mehrerer Altenheime.
Ein rätselhafter Verein
Warum jemand ein Altenheim mit Profit betreiben will und dann einen Verein nutzt, der wegen seiner juristischen Form überhaupt keine Profite machen darf, bleibt rätselhaft. Eine Erklärung dafür hat aber Alex Mergen von der Verbandskëscht: „In Belgien ist es üblich, Altenheime über einen Verein zu betreiben – auch wenn der Betrieb Profite einfährt. Dass dies in Luxemburg nicht gang und gäbe ist, war Vulpia nicht bekannt“, erklärt er im Gespräch mit Reporter.lu.
Alex Mergen bestätigt auch, dass er und sein belgischer Partner sich zurückgezogen haben und nicht mehr zur Verfügung stehen, um „Les Jardins de Belval“ zu betreiben. Das Gebäude, das um die 50 Millionen Euro gekostet hat, wird demnach bis auf Weiteres leer stehen.

Das macht auch der Gemeinde Sassenheim Sorgen, auf deren Gebiet das leerstehende Seniorenheim steht. „Das Altenheim ist an sich fertig gebaut, es scheint aber größere Probleme auf der Seite des Bauherrn zu geben“, bestätigt Bürgermeisterin Simone Asselborn-Bintz gegenüber Reporter.lu. Bis jetzt habe sich auch noch niemand an der Adresse am Boulevard des Lumières angemeldet, so die LSAP-Politikerin.
Auch bei der „Copas“, der Repräsentation der Pflegedienstleister in Luxemburg, ist man nicht von den potenziellen Betreibern kontaktiert worden. „Unseren Informationen zufolge gibt es momentan keinen Betreiber und keine Aktivitäten in diesem Projekt“, so die Pressesprecherin der Copas auf Nachfrage von Reporter.lu. Sie präzisiert aber auch, dass man bereits eine Aktivität vorweisen muss, um Mitglied bei der Copas zu werden.
Ministerium kann Bedarf nicht beziffern
So bleibt unklar, warum trotz Wartelisten und Platzmangel in den Altersstrukturen ein brandneues Heim leer stehen gelassen wird. Wartelisten, die das Ministerium selbst nicht beziffern kann. „Da jeder Betreiber von Wohnstrukturen für ältere Menschen seine Wartelisten selbst verwaltet, ist es nicht möglich, zu sagen, wie viele Menschen auf einer Warteliste eingeschrieben sind, noch ist es möglich anzugeben, was die durchschnittliche Wartezeit ist“, erklärt ein Sprecher des Familienministeriums von Max Hahn (DP).
Der Sprecher fügt noch eine weitere Schwierigkeit hinzu: „Verschiedene Personen schreiben sich Jahre zuvor präventiv auf Wartelisten ein, andere kommen nach einem Vorfall im Krankenhaus sofort in einer Struktur unter. Deshalb sagt die Anzahl der Personen auf einer Warteliste nicht unbedingt etwas über die Dauer aus, die es braucht, um einen Platz in einer Wohnstruktur zu bekommen“.
Auch die Copas teilt auf Nachfrage mit, keine zentralisierte Warteliste zu führen, jeder Betreiber könne da frei entscheiden. Ob die Wartelisten um 132 Personen kürzer werden, falls die „Jardins de Belval“ irgendwann doch einen Betreiber finden sollten, wird sich noch zeigen müssen.
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