Stéphanie Empain ist seit Dezember 2018 für die Grünen im Parlament. Sie gilt als „neues Gesicht“, als jemand, der den Sprung in die Nationalpolitik eher zufällig geschafft hat. Dabei ist sie alles andere als unerfahren.

Am 6. Dezember 2018 wurde Stéphanie Empain als Parlamentarierin vereidigt. Dass sie ins Parlament gewählt worden ist, kam für viele unterwartet. Immerhin trat sie zum ersten Mal zu Nationalwahlen an. Ganz unerfahren war sie aber nicht.

Stéphanie Empain wird am 11. August 1983 geboren. Nachhaltigkeit habe sie von ihrer Mutter gelernt, sagt sie. Die sei nie politisch aktiv, aber immer engagiert gewesen. Die Tochter ging einen Schritt weiter. Sie sei ein politisch denkender Mensch, sagt sie über sich. Als Studentin im Jahr 2014 wurde sie Mitglied der jungen Grünen und absolvierte ein Praktikum in der Fraktion.

Politik studierte sie in Trier und kümmerte sich während der EU-Präsidentschaft innerhalb der Luxemburger Armee um internationale Beziehungen. Danach war sie sechs Jahre lang beim regionalen Tourismusverband der Ardennen tätig.

Nachdem Sohn Felix vor fünf Jahren geboren wurde, startete sie zu Hause auch ihr eigenes Stoffwindel-Business. Ihre Ausbildung zur Beraterin absolvierte sie 2015. Seitdem berät sie Eltern, die statt Plastik- lieber Stoffwindeln verwenden wollen. Das sei nicht nur nachhaltiger, sondern auch günstiger, sagt Stéphanie Empain. „Wir wollten in Luxemburg etwas aufbauen.“ „Wir“, das sind mittlerweile rund zehn selbstständige Stoffwindel-Expertinnen.

Die Suche nach politischem Engagement

Nachhaltig war sie schon lange, sie wollte aber auch innerhalb der Gesellschaft aktiv werden. Da, wo sie etwas bewegen und ändern kann. Während sie nach ihrem Studium ihr politisches Engagement zurückschraubte, lebte es 2016 wieder auf. Ihr Versuch, bei den Gemeindewahlen in Wiltz eine Liste für die Grünen-Partei aufzustellen, scheiterte.

Für die Parlamentswahlen kam sie auf die Liste der Grünen im Norden – und wurde unerwartet Spitzenkandidatin neben Claude Turmes.

Turmes wurde im Dezember Minister, sie Parlamentarierin. Außerdem sitzt sie in sieben Kommissionen: Präsidentin ist sie in der Kommission für innere Sicherheit, außerdem ist sie Teil der Kommission für Europa- und Außenpolitik, der Gesundheits- und Sportkommission, der Agrarkommission, der Kommission für Mittelstand und Tourismus, der Kommission der öffentlichen Behörden und der Justizkommission.

Von Leichtathletik und Gesundheit

Gerne hätte sie in der „Commission de la Santé et des Sports“ den Gesundheitsbereich übernommen. Sie wurde für den Bereich Sport eingeteilt, Gesundheit ging an ihre Kollegen Josée Lorsché und Marc Hansen. „Gerade im Norden spielt der Zugang zur Medizin eine wichtige Rolle“, sagt sie. Da hätte sie sich auf nationaler Ebene auch für ihre Region stark machen können.

Dass sie Sport übernommen hat, kommt aber nicht von ungefähr. Stéphanie Empain war als Kind und Teenager in der Leichtathletik, ihre Disziplin waren Kurzstrecken-Läufe. Erst war sie im Cercle d’Athlétisme Luxembourg (CAL). Als der Verein mit dem Spora-Club fusionierte, wurde sie Teil des CS Luxembourg. Das sei aber nicht mehr das gleiche gewesen, sagt sie. „Da haben sie mich verloren.“ Sie kam noch zu den Trainingseinheiten, die Stimmung war aber eine andere.

Doch ihre Leidenschaft zur Leichtathletik blieb. Bis heute. Seit Dezember ist sie Präsidentin des nationalen Leichtathletikverbandes FLA. „Für mich war klar: Wenn ich mich neben der Politik noch engagiere, dann da“, sagt sie.

Um aktiv Sport zu treiben, bleibt heute aber nur wenig Zeit. Zwei Kinder und Mann, sieben Kommissionen und die Präsidentschaft bei der FLA – die Wochen sind gefüllt. Und an den Wochenenden versucht sie Zeit für die Familie freizuschaufeln. Oder beides zu kombinieren. „Bei Festen und Veranstaltungen geht das ganz gut“, sagt sie.