Der Rücktritt von Roberto Traversini als Bürgermeister von Differdingen bedeutet für Déi Gréng einen großen Einschnitt. Für die längst zur gewöhnlichen Regierungspartei gewordenen Grünen steht nicht weniger als die eigene Glaubwürdigkeit auf dem Spiel. Ein Kommentar.

Spätestens als am Freitagnachmittag mitgeteilt wurde, dass die Justiz gegen Roberto Traversini ermittelt und die Polizei bereits Hausdurchsuchungen im Zusammenhang mit der Affäre um den Bürgermeister von Differdingen durchgeführt hat, war auch dem Letzten der Ernst der Lage bewusst geworden. Dass ein Amtsträger zurücktritt, ist in Luxemburg äußerst selten. Dass Traversini diesen Schritt unternahm, verdient zwar durchaus Respekt. Allerdings hat er seine Lage selbst zu verantworten.

Auch wenn es anfangs für viele so aussah, ist der Fall Traversini keine Lappalie. Ein Bürgermeister hat sein Amt bewusst für seinen persönlichen Vorteil ausgenutzt und dies erst nach öffentlichem Druck als Fehler eingeräumt. Es ist das Scheitern eines der Aushängeschilder von Déi Gréng, dem angesichts seines fulminanten Wahlerfolgs in der drittgrößten Gemeinde des Landes vor zwei Jahren eine große Zukunft in der Partei vorausgesagt wurde.

Es geht aber auch um eine Partei, die offensichtlich ihren einstigen moralischen und politischen Kompass verloren hat. Der tiefe Fall des Roberto Traversini wird sich wohl oder übel auch auf die Zukunft von Déi Gréng auswirken. Zwar konnte diese Partei bei den vergangenen Nationalwahlen einen historischen Erfolg einfahren. Doch der Glanz der von den Wählern gestärkten Grünen ist längst verblasst …