Luxemburg hat es geschafft, weiter zu wachsen und trotzdem den CO2-Ausstoß zu senken. Das ist die positive Erzählung, die in der Wachstumsdebatte aktuell die Runde macht. Ganz so einfach ist es aber nicht. Eine Analyse.

Luxemburg ist ein 600.000-Einwohnerstaat. Das bestätigte die Statistikbehörde Statec am Donnerstag ganz offiziell. Damit stieg die Bevölkerung in der Amtszeit der aktuellen Regierung um fast zehn Prozent. Diese symbolische Zahl wird die Wachstumsdebatte weiter anheizen.

Doch selbst grüne Regierungsmitglieder sagen, dass Luxemburg bereits den (teilweisen) Umstieg auf ein „qualitatives Wachstum“ geschafft hat. „Die Entkopplung von Bevölkerungswachstum und CO2-Ausstoß“ sei gelungen, sagte der Staatssekretär für Umwelt Camille Gira 2016.

Die gute Nachricht: Luxemburg erfüllt Kyoto-Ziele

Im Januar betonten Gira und Umweltministerin Carole Dieschbourg erneut eine positive Klimabilanz – trotz Wachstum. In dieser Legistlaturperiode erreiche Luxemburg seine Ziele, die das Kyto-Klimaabkommen festgelegte, heißt es auf Nachfrage aus dem Umweltministerium.

Der Statec und das „Think Tank“ Idea verbreiten eine Grafik, die dieses hoffnungsfrohe Szenario belegt. Das Bruttoinlandsprodukt legte zwischen 2005 und 2016 deutlich zu, die Bevölkerung wuchs etwas weniger schnell. Und die Kurve der Treibhausgase zeigt nach unten – der Ausstoß sank um 18 Prozent. Mit dieser Entwicklung hält Luxemburg tatsächlich 2020 das Ziel von minus 20 Prozent gegenüber 2005 ein.

Die schlechte Nachricht: Der Trend kann sich umkehren

Das größere Bild spricht allerdings eine andere Sprache. Es ist nicht so, dass Luxemburg heute weniger Treibhausgase ausstößt als je zuvor. 1998 lag der CO2-Ausstoß bei 7,6 Millionen Tonnen, also 18 Prozent unter dem Wert von 2015.

Die Entwicklung ist demnach alles andere als eine Linie, die stetig nach unten zeigt. Der Verlauf erinnert eher an Wellen. Und wenn Luxemburg aktuell in einem Wellental ist, dann gibt es durchaus Anzeichen, dass das Niveau wieder steigt.