Dem Aktienhändler Guenther Klar droht in Luxemburg ein Prozess wegen mutmaßlichen Steuerbetrugs in Millionenhöhe. Mit viel Verspätung startet damit auch hierzulande die Aufarbeitung des Cum-Ex-Skandals, der in anderen Ländern längst hohe Wellen schlug.
Guenther Klar ist im Cum-Ex-Skandal ein besonderer Protagonist. In Belgien war er der Erste, der für diesen millionenschweren Steuerbetrug verurteilt wurde. In Dänemark wurde ihm diese fragwürdige Ehre ebenfalls zuteil. Und nun scheint es, als ob der Brite auch in Luxemburg als Erster für Cum-Ex-Geschäfte vor Gericht stehen wird.
Seit Oktober 2025 sitzt der ehemalige Aktienhändler in Luxemburger Untersuchungshaft. Das bestätigte ein Sprecher der Justiz auf Nachfrage von Reporter.lu. Bereits im November 2024 hatte das Großherzogtum einen europäischen Haftbefehl gegen ihn erlassen. Zu diesem Zeitpunkt verbüßte er in Dänemark eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren. Luxemburg begründete die Auslieferung aus Dänemark mit Vorwürfen von Steuerbetrug, Steuerhinterziehung, Betrug oder Geldwäsche sowie betrügerischem Konkurs, wie der dänische Rundfunk „DR“ im Oktober 2025 mit Bezug auf ein Urteil des Gerichts in Kopenhagen meldete.
Die rechtskräftigen Urteile in Belgien und Dänemark sowie ein zivilrechtliches Verfahren in Großbritannien geben genaue Einblicke, wie Guenther Klar mit seinem Luxemburger Unternehmen „Khajuraho Equity Trading Sàrl“ den Cum-Ex-Steuerbetrug in großem Maßstab orchestrierte. Zu den Opfern gehört möglicherweise auch der Luxemburger Staat. Doch die Behörden reagierten zu spät, um den Schaden zu begrenzen.
Schlüsselfigur der Cum-Ex-Deals
Es gibt einen guten Grund, warum gerade Guenther Klar jeweils der Erste war, der wegen Cum-Ex vor Gericht stand. Denn er trieb die Idee von fiktiven Aktiendeals auf die Spitze. Statt mit Dutzenden Beteiligten und einem Millionenkapital führte er die Geschäfte zwischen zwei Briefkastengesellschaften auf seinem Laptop durch. Sein Geschäftsmodell sei von „einer eleganten Schlichtheit“ gewesen, urteilte der Richter Andrew Baker im britischen „High Court of Justice“.
Die dänische Steuerbehörde versucht weiterhin, in einem Zivilverfahren, die 1,2 Milliarden Euro wiederzuerlangen, die sie zwischen 2012 und 2015 als Steuererstattungen an die Cum-Ex-Akteure auszahlte. Vor dem „High Court“ verlor Dänemark. Das Berufungsverfahren in dem Fall soll Anfang 2027 stattfinden. Hauptprotagonist des Verfahrens ist der britische Cum-Ex-Mastermind Sanjay Shah. In dessen Unternehmen „Solo Capital“ war Guenther Klar einer der ersten Mitarbeiter. Und er half Sanjay Shah auch dabei, das Modell zu entwickeln, das zu Dänemarks größtem Steuerraub führte. So beschreibt es das britische Urteil beruhend auf Aussagen der Beteiligten.
Die „magische Zutat“ in dieser Cum-Ex-Variante war, dass „Solo Capital“ die Aktiengeschäfte intern abwickelte – als Gegenpartei sowohl des Käufers als auch des Verkäufers. Zu keinem Zeitpunkt wurden dabei tatsächliche Aktien an der Börse gekauft oder verkauft. Dementsprechend brauchte es auch kein Kapital. In diesen Zirkelgeschäften handelten die Firmen aus Sanjay Shahs Netzwerk Milliardenanteile an dänischen und belgischen Konzernen. Oft überstiegen diese Summen den Börsenwert der jeweiligen Unternehmen, wie Reporter.lu bereits berichtete.
Luxemburg als wichtiges Testlabor
Sanjay Shah, Guenther Klar und die anderen Solo-Mitarbeiter waren sich 2011 aber nicht sicher, ob die interne Abwicklung klappen würde. Um ihre „magische Zutat“ zu testen, wählten sie Luxemburg aus. „Anfang 2012 wandten wir uns an die Macquarie Bank in London mit unserer Idee, den Cum-Ex-Handel ohne Finanzierungsbedarf zu ermöglichen (da sich alle Geschäfte am Abrechnungstag auf null ausglichen)“, schrieb Sanjay Shah 2018 in einer handschriftlichen Kurzbiografie, die Reporter.lu einsehen konnte.
„Wir handelten erfolgreich mit Luxemburger Aktien, die Geschäfte liefen nach Plan und die erwarteten Gewinne wurden erreicht“, beschrieb der Drahtzieher das Ergebnis. Mit „erwartete Gewinne“ meinte er jedoch nicht einen Kursgewinn, sondern die Steuererstattung aus der Luxemburger Staatskasse …
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