Israels Krieg mit dem Iran ist vorerst vorbei. Die Auswirkungen der militärischen Eskalation sind allerdings ungewiss. Das iranische Regime wurde zwar deutlich geschwächt. Doch die Konflikte in der Region dauern an – und ihre Lösung wird nicht unbedingt leichter.
Eine Waffenruhe kommt für die Länder, die eigentlich ihre Waffen ruhen lassen sollen, nur selten überraschend. Doch genau das geschah in der Nacht des 23. Juni, dem zwölften Tag des Krieges zwischen Israel und dem Iran. US-Präsident Donald Trump verkündete das Ende des Krieges in den sozialen Medien – wo sonst? – und sagte, die kämpfenden Parteien hätten ihn um Frieden angefleht. Seine Ankündigung schien sowohl Israel als auch den Iran unvorbereitet zu treffen; es dauerte Stunden, bis sie die Nachricht bestätigten.
Kurz zuvor hatte sich im Nahen Osten ein größerer Konflikt angebahnt. Der Iran hatte gewarnt, Vergeltungsmaßnahmen für die amerikanischen Angriffe vom 22. Juni auf drei seiner Atomanlagen zu ergreifen. Die Verbündeten der USA am Golf befürchteten, selbst zum Ziel zu werden. Doch die Reaktion darauf war weitgehend symbolisch: Ein Raketenhagel wurde auf den Luftwaffenstützpunkt Al-Udeid in Katar abgefeuert, mit ausreichend Vorwarnung sowohl für Katar als auch für die USA, die den Stützpunkt nutzen. Niemand wurde verletzt.
Immerhin gab dies Donald Trump einen letzten Anstoß, den Krieg zu beenden. Er rief den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu an und teilte ihm mit, dass er bald einen Waffenstillstand verkünden werde. Nachdem er die Hilfe der USA für den Angriff auf den Iran in Anspruch genommen hatte, konnte Benjamin Netanjahu nicht ablehnen. Donald Trump bat Katar, den Vorschlag an den Iran weiterzuleiten. Das Emirat befand sich in der seltsamen Lage, als Vermittler gegenüber einem Land auftreten zu müssen, von dem es gerade bombardiert worden war. Der Iran akzeptierte schneller: Er wurde schwer getroffen. Trotz einiger anfänglicher Verstöße scheint die Vereinbarung nun zu halten. Der US-Präsident erklärte am 25. Juni, dass sich Amerika und der Iran „nächste Woche“ zu Gesprächen treffen würden.
Alle am Konflikt Beteiligten können behaupten, ihr Hauptziel erreicht zu haben. Israel hat dem iranischen Atom- und Raketenprogramm, den erklärten Zielen des Krieges, erheblichen Schaden zugefügt. Das iranische Regime wurde zwar geschwächt, hat aber intakt überlebt. Donald Trump konnte seine „großen, schönen“ Bomben abwerfen, ohne in einen langen und unpopulären Konflikt hineingezogen zu werden. Und die Golfstaaten konnten ihr Albtraumszenario eines zerstörerischen iranischen Angriffs auf ihr Hoheitsgebiet vermeiden.
Bedrohung nicht dauerhaft gebannt
Die Frage ist nun jedoch, wie lange diese Errungenschaften bewahrt werden können. Es besteht ein hoffnungsvolles Szenario, wonach Donald Trumps Waffenstillstand zu ernsthafter Diplomatie und dauerhafter Ruhe führt. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er den Boden für weitere Konflikte zwischen den USA, dem Iran und Israel bereitet …
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