Luxemburgs Abtreibungsgesetz ist eines der modernsten Europas. Der Text ist liberal, die Einstellung der Politik aber weiterhin konservativ. Öffentlich will sie sich nur begrenzt mit dem Thema auseinandersetzen. Ein Kommentar.

2014 klopfte sich die Politik auf die Schulter. In einem neuen Gesetz wurden Abtreibungen als straffrei erklärt, eine zweite Zwangsberatung für Schwangere optional und der Begriff „Notlage“ aus dem Gesetz gestrichen. Die Frau sollte selbst bestimmen können, ob sie ein Kind will oder nicht und was mit ihr, ihrem Körper und ihrer Zukunft passiert. Für die Stärkung der weiblichen Selbstbestimmtheit feierte Blau-Rot-Grün sich selbst. Zurecht.

Der Text war verabschiedet, die Arbeit getan, das Problem gelöst. Zumindest theoretisch. Denn Frauen, die über eine Abtreibung nachdenken, brauchen mehr als ein liberales Gesetz. Sie brauchen ein aufgeklärtes Umfeld, das ihnen eine wirkliche Entscheidung ermöglicht. Oder zumindest eine offene, tolerante Debatte. Diese fehlt aber bis heute …