Mitten im Sommerloch hat die Regierung ein Hotelprojekt in Lultzhausen ausgeschrieben. Unter Blau-Rot-Grün war das Vorhaben umstritten, doch jetzt ziehen die Ministerien an einem Strang. Trotz aller Bemühungen bleibt die Wirtschaftlichkeit aber fraglich.
Den Ortstermin haben die DP-Minister Lex Delles und Eric Thill offenbar bereits fest im Kalender notiert. „Der erste Spatenstich muss unbedingt in der zweiten Augusthälfte 2028 stattfinden“, heißt es in der Ausschreibung für ihr Vorzeigeprojekt im Norden. Pünktlich zum Start des nächsten Wahlkampfs soll das einzige konkrete Tourismusvorhaben des CSV-DP-Koalitionsprogramms Form annehmen. Doch ob es so weit kommt, ist offen.
Eigentlich wollte Lex Delles als voriger Tourismusminister das Hotelprojekt in Lultzhausen sehr viel schneller vorantreiben. Doch das Umweltministerium unter Carole Dieschbourg (Déi Gréng), aber auch das Innenministerium unter Taina Bofferding (LSAP) bremsten das Vorhaben, wie Reporter.lu berichtete. Obwohl die Generaldirektion Tourismus im Wirtschaftsministerium von Lex Delles die europaweite Ausschreibung, um einen Projektträger und Betreiber zu finden, bereits 2023 vorbereitete, dauerte diese dann nochmals drei Jahre länger.
Nun hat es der delegierte Tourismusminister Eric Thill aber eilig. Anfang Juli startete die öffentliche Ausschreibung für das Hotel am Stausee, wie auch das „Luxemburger Wort“ berichtete. In der ersten Fassung sollten die Interessenten bereits an diesem Montag ihr Projekt einreichen. Mitte Juli wurde die Frist aber bis zum 7. September verlängert, weil mehrere Fragen von Bewerbern eine Anpassung der Unterlagen erforderten, erklärt das Ministerium auf Nachfrage von Reporter.lu.
Zwar hat die Regierung die vergangenen Jahre genutzt, um viele Prozeduren bereits zu lancieren – so etwa die Änderungen an den Bebauungsplänen der Gemeinde Esch/Sauer. Dennoch bleiben viele offene Fragen, auf die der künftige Bauträger Antworten finden muss. Vor allem, wie das Hotel wirtschaftlich tragfähig wird, trotz einer kleinen Fläche und hohen Erwartungen des Staates als Grundstückseigentümer. Die Regierung will das Projekt unbedingt umsetzen, fast so, als ob der Tourismusminister ein Hotelier wäre.
Ein Fünftel mehr Gebäudefläche
Noch ist auch nicht klar, wie groß das Hotel ausfallen wird, das auf der aktuell landwirtschaftlich genutzten Fläche oberhalb der N27 entstehen soll. In den Planungsdokumenten ist die Rede von 70 bis 100 Zimmern beziehungsweise 196 Betten. Das sind deutlich mehr als die rund 90 Betten, die ein Konzept des Architekturbüros „WW+“ von 2022 vorschlug. Die Machbarkeitsstudie im Auftrag des Ministeriums hatte bereits deutlich gemacht, dass die Fläche nicht viel Spielraum bietet. Eine Option, die die Architekten ausarbeiteten, erforderte mehr Gebäudefläche, als der damalige Bebauungsplan erlaubte.
Wir suchen nicht einfach nur ein Hotel, sondern ein innovatives und nachhaltiges Angebot.“Eric Thill (DP), delegierter Tourismusminister
Was nicht passt, wird passend gemacht: Am 5. Juni brachte der Gemeinderat von Esch/Sauer eine Änderung des allgemeinen Bebauungsplans (PAG) auf den Weg, die das Flächenproblem zumindest etwas lindern soll. Der Entwurf sieht vor, den Koeffizienten für die Bodennutzung (CUS) von 0,5 auf 0,6 zu erhöhen. Die Änderung ermögliche „eine gewisse Flexibilität hinsichtlich des Volumens“, heißt es in der Abstimmung des Gemeinderates. Tatsächlich erhöht sich dadurch die mögliche Gebäudefläche der oberirdischen Stockwerke um ein Fünftel …
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