Niemand wollte etwas von Georges Mischos Alleingang gewusst haben. Doch intern waren die Bedenken gegen das Sportmuseum früher bekannt als angenommen. Ein Bericht der Finanzinspektion liefert neue Puzzleteile einer Affäre, die fast zur Regierungskrise führte.
„Ohne Entscheidungen aus der Vergangenheit und den Wert dieses sportlichen und kulturellen Projekts infrage stellen zu wollen, lässt sich kaum leugnen, dass (…) die Schaffung eines Sportmuseums keine sinnvolle Investitionspriorität für den Staat darstellen kann.“ So lautete das Urteil der „Inspection générale des finances“ (IGF) in einem Gutachten, das am 30. April 2025 an Finanzminister Gilles Roth (CSV) übermittelt und kurze Zeit später dem ganzen Kabinett unterbreitet wurde. Das Dokument, das Reporter.lu einsehen konnte, stellte zum damaligen Zeitpunkt bereits eine „deutliche Überschreitung“ des geplanten und politisch bewilligten Budgets des Bauprojekts fest.
Politisch ist aber allein schon das Datum des Gutachtens relevant. Demnach waren der Regierung nämlich gewisse Bedenken über das heikle Prestigeprojekt des damaligen Sportministers Georges Mischo (CSV) über ein halbes Jahr vor der Veröffentlichung der ersten Recherche von Reporter.lu über das Sportmuseum bekannt. Doch erst Monate später beschloss der Finanzminister, das Vorhaben auf Eis zu legen, wie Reporter.lu in der Folge exklusiv berichtete. Wie die Sache endete, ist bekannt: Georges Mischo trat als Minister zurück und das Projekt Sportmuseum in seiner damals geplanten Form war Geschichte.
Am Montag war das Vorhaben aber jetzt nochmals Thema im parlamentarischen Finanzkontrollausschuss. Dort befassten sich die Abgeordneten mit den Antworten auf einen Fragenkatalog, den sie noch während der politischen Affäre im Dezember 2025 an die Regierung gerichtet hatten.
Ein Bericht, der geheim bleiben soll
Zuerst ging es dabei aber um die Grundsatzfrage, warum von den zuständigen Ministern am Montag niemand im Ausschuss anwesend war, um auf Nachfragen antworten zu können. Denn Nachfragen hatten die Abgeordneten viele. Die schriftlichen Antworten der Regierung waren zwar ausführlich. Doch sie werfen erwartungsgemäß weitere Fragen auf und widersprechen sich in den Augen der Opposition zum Teil sogar. Die Antworten lesen sich wie eine detaillierte Dokumentation dessen, was letztlich im Mittelpunkt der Affäre stand: wie fahrlässig die Regierung offenbar beim Projekt Sportmuseum mit Steuergeldern umging.
Zur Erinnerung: Ursprünglich sollte das nationale Sportmuseum im Stadtteil Lankelz in Esch/Alzette errichtet werden. Wegen einer fehlenden Baugenehmigung kam dieser Standort aber nicht mehr infrage und das Museum sollte in die „Hall des turbines“ auf die Escher Brache „Rout Lëns“ umziehen. Dieser Standortwechsel brachte jedoch einen deutlichen Kostenanstieg mit sich. Während die ersten Pläne noch von Ausgaben von rund 17 Millionen Euro ausgingen, sollte das neue Projekt insgesamt 28,5 Millionen Euro verschlingen. Doch dabei wäre es wohl nicht geblieben.
In ihrem Bericht befürchtete die Finanzinspektion nämlich, dass es sich bei dieser Prognose um eine optimistische Einschätzung handelte. Zwischen 2020 und 2025 seien die Baukosten um 27 Prozent gestiegen. Deshalb schätzte die IGF, dass die Ausgaben bis zur Fertigstellung des Museums jährlich um weitere 3,8 Prozent zunehmen würden, wie es im Gutachten vom April 2025 heißt …
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