Mit „Paul Thiltges Distributions“ steht nicht nur eine Produktionsfirma, sondern ein Stück Luxemburger Kinogeschichte vor dem Aus. Der Konkurs wirft aber auch kritische Fragen über die Filmbranche und deren starke Abhängigkeit von staatlichen Hilfen auf.

Rückblickend scheint es ironisch, dass sich „Paul Thiltges Distributions“ (PTD) einen Ozeandampfer als Logo ausgesucht hat. Das Flaggschiff der hiesigen Filmindustrie ist nämlich seit dem 6. März am Sinken. An dem Tag sprach das Handelsgericht den Konkurs der Filmproduktionsfirma. Zwar erklärte Paul Thiltges kurz danach in den nationalen Medien, er werde nichts unversucht lassen, um weiteren Schaden zu begrenzen. Wer sich aber die Berichte im Handelsregister ansieht, erkennt: Es war eine Katastrophe mit Ansage. Der Schuldenberg von der Gesellschaft war im letzten Bericht auf knapp über sechs Millionen Euro gewachsen. 5,8 Millionen davon waren in unter einem Jahr zurückzuzahlen.

Paul Thiltges meint dazu, dass er noch 1,7 Millionen einzutreiben versucht. Dies in der Hoffnung, die Kuratorin und die Schuldner milde zu stimmen. „Ich hoffe nicht nur auf diese Summe, wir klagen sie im Moment ein. Und die, die sie uns schulden, können das Geld auch nicht einfach so verschwinden lassen, weil sie klar in unserer Schuld stehen“, sagt Paul Thiltges im Gespräch mit Reporter.lu. Der Filmproduzent gibt auch an, momentan in Luxemburg einen Prozess um die Summe von „über einer Million“ zu führen. Wen er verklagt hat, will er nicht verraten. Das laufende Konkursverfahren erlaube dies nicht.

Wegbereiter der Filmförderung

Indes steht vieles auf dem Spiel: fünf Arbeitsplätze bei „Paul Thiltges Distributions“ sowie Filmrechte an über 30 Filmen und Serien, deren Zukunft nun in den Händen der Kuratorin liegt. Aber vor allem ist der Konkurs ein weiterer herber Schlag für die Filmszene. Nach der Insolvenz von „Wady Films“ ist es die zweite Pleite in der Branche innerhalb weniger Monate.

Mit der Gesellschaft von Paul Thiltges steht jedoch nicht irgendeine Produktionsfirma auf Messers Schneide, sondern ein wichtiger Teil der modernen Luxemburger Filmgeschichte. Wenige Tage vor dem Konkurs hatte die Produktionsfirma mit dem Animationsfilm „Allah n’est pas obligé“ noch drei Preise beim „Festival Anima“ in Brüssel erhalten.

Wir haben bereits 2022 bemerkt, dass Paul Thiltges Distributions Probleme hatte, die Transparenz-Auflagen des Filmfonds zu erfüllen.“Guy Daleiden, Direktor des Film Fonds

Paul Thiltges ist nicht nur ein Pionier der Luxemburger Filmindustrie, er ist gewissermaßen auch der Erfinder der hiesigen Filmförderung. Bereits 1986 gelang es ihm, den „Fonds Culturel National“ (Focuna) zu überzeugen, ihm eine Million Luxemburger Franken für den Andy-Bausch-Film „Gwyncilla – Legend of the Dark Ages“ zu geben. Damals nahm er einen Kredit in gleicher Höhe auf, der bei der Fertigstellung des Films von den Subventionen zurückgezahlt wurde. Dies ist das Modell, nach dem die Finanzierung des „Film Fund Luxembourg“ heute noch funktioniert …