Eigentlich sollte im Zentrum von Steinsel neuer Wohnraum entstehen. Doch heute klafft dort nur eine riesige Baugrube, die Millionen verschlingt. Über eine rätselhafte Preissteigerung, kirchliche Nächstenliebe und die undurchsichtige Rolle eines DP-Gemeinderats.

Vor der Kirche in Steinsel erinnert nur noch eine Infotafel an das alte Pfarrhaus. Das Gebäude wurde 1922 erbaut und im Jahr 2000 umfangreich renoviert, heißt es dort. Heute ist von dem ehemaligen Pfarrhaus nichts mehr zu sehen. Stattdessen befindet sich hier ein großes Loch. Auf der Baustelle soll das benachbarte Rathaus erweitert werden. Und genau dort, wo einst das Pfarrhaus stand, sollte entweder ein Hotel oder ein Mehrfamilienhaus für Wohngemeinschaften entstehen.

Das war zumindest der Plan, als der Gemeinderat im September 2021 entschied, den entsprechenden Teilbebauungsplan (PAP) auszuweiten und das Pfarrhaus abreißen zu lassen. Aufgrund der Immobilienkrise wollte der Bauherr „Äerdbier S.A.“ allerdings bald nichts mehr von diesem Projekt wissen. Für ein Hotel wurde kein Abnehmer gefunden und für das „Co-living“-Konzept erhielt die Gesellschaft keine Baugenehmigung. In der Gemeinde fand sie schließlich aber einen dankbaren Käufer.

Was die Gemeinde genau auf dem Grundstück mitten im Ortskern bauen will, ist indes noch nicht entschieden. Zwischenzeitlich war die Rede von einem Kulturzentrum. Eine Bürgerbefragung soll nun Klarheit bringen. Der genaue Zweck steht zwar noch nicht fest, dafür aber der Kaufpreis für die 4,34 Ar Bauland: 2,8 Millionen Euro.

Ein auffällig günstiger Immobiliendeal

Dabei lassen nicht nur die Vorgeschichte und der jahrelange Stillstand auf der Baustelle aufhorchen. Laut Recherchen von Reporter.lu wirft das Dossier weitere Fragen auf – nicht zuletzt jene von möglichen Interessenkonflikten innerhalb des Gemeinderats.

Fragwürdig ist etwa, wie sich der Preis für die Baugrube im Dorfkern von Steinsel innerhalb von relativ kurzer Zeit verdoppeln konnte. Denn vor etwas mehr als vier Jahren hatte die Bauträgergesellschaft „Äerdbier S.A.“ für denselben Standort nur rund die Hälfte gezahlt. Das geht aus den Verkaufsakten hervor, die Reporter.lu vorliegen. Am 6. Dezember 2021 verkaufte demnach der Kirchenfonds für rund 1,4 Millionen Euro das Grundstück, das damals mit 6,54 Ar sogar etwas größer war als heute.

Mir kafen dësen Terrain of, well mir verhënnere wëllen, dass dëst iwwerdimensionaalt Gebai den Zentrum verhonzt.“Manon Kolber, Bürgermeisterin von Steinsel

Noch am gleichen Tag unterschrieb die „Äerdbier S.A.“ einen weiteren Vertrag mit dem Kirchenfonds. Der gleiche „Fonds de gestion des édifices religieux et autres biens relevant du culte catholique“ kaufte nämlich drei Wohnungen des mittlerweile abgeschlossenen Projekts neben dem Pfarrhaus. Die beiden Apartments von rund 77 Quadratmetern und das Studio von 36 Quadratmetern, inklusive zwei Parkplätze und drei Kellerräume, erhielt der Fonds damals für rund 1,75 Millionen Euro …

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