Kandidaten, die weder den Demokraten noch den Republikanern angehören, sind bei den US-Präsidentschaftswahlen so gut wie chancenlos. Und doch können sie die Wahlen im November maßgeblich beeinflussen. Dafür müssen sie aber noch einige Hürden nehmen.

Als der demokratische Kandidat Al Gore im Jahr 2000 die Präsidentschaftswahl in den USA knapp verlor, entlud sich der Zorn des damaligen Senators Joe Biden auf einen der Mitbewerber: Ralph Nader. Der linksgerichtete Politiker hatte in Florida 97.488 Stimmen erhalten, weit mehr als Al Gores Rückstand von 537 Stimmen. „Nader hat uns den Sieg gekostet“, schloss Joe Biden damals.

Fast ein Vierteljahrhundert später ist Joe Biden der demokratische Kandidat in einem Rennen, das wahrscheinlich ebenfalls knapp ausfallen wird. Da Nikki Haley, Donald Trumps letzte Gegnerin bei den Vorwahlen der Republikaner, ihren Wahlkampf vergangene Woche beendet hat, hat er sich faktisch die Nominierung der Republikaner gesichert. Das führt zu einem erneuten Rennen ums Weiße Haus zwischen Joe Biden und Donald Trump. Aber auch mehrere andere Kandidaten haben ihre Kandidatur angekündigt. Und angesichts der jüngsten Umfrageergebnisse ist es auch durchaus möglich, dass diese Drittkandidaten die Wahl in die eine oder andere Richtung beeinflussen könnten.

Ralph Nader scheint diesmal besorgt zu sein. Er hat die Behauptung, dass er für die Niederlage von Al Gore verantwortlich sei, stets zurückgewiesen und bleibt ein Kritiker des Zweiparteiensystems in den USA. Er sagt, er würde einem Drittkandidaten niemals sagen, er solle nicht kandidieren, scheint sich aber auch mit der Tatsache abgefunden zu haben, dass man 2024 nicht gewinnen kann. Er kann sich sicherlich nicht dazu durchringen, Joe Biden zu unterstützen, den er wegen seiner Unterstützung Israels „Genocide Joe“ nennt. Dennoch sagt er: „Das einzige Ziel besteht darin, die Trumpster und den Faschismus, den sie mit sich bringen, zu stoppen.“ Für einen wiederholten und uneinsichtigen Drittkandidaten klingt das fast wie der Widerwillen, eine Stimme abzugeben, die dazu beitragen könnte, Donald Trump ins Weiße Haus zurückzubringen.

Die Vorreiter des „dritten Weges“

Die US-Bürger sagen oft, dass sie mit ihren begrenzten politischen Möglichkeiten unzufrieden seien und sich eine größere Auswahl wünschten. Laut einer im Januar vom Marktforschungsunternehmen „Ipsos“ durchgeführten Umfrage sind dieses Jahr zwei Drittel von ihnen „es leid, bei Präsidentschaftswahlen immer die gleichen Kandidaten zu sehen, und wollen irgendeinen Neuen“. Dieselbe Umfrage ergab, dass nur ein Viertel der Wähler mit dem Zweiparteiensystem „zufrieden“ ist …