Trotz des andauernden Wandels der Arbeitswelt ist das Armutsrisiko im Alter bei Frauen immer noch weitaus höher als bei Männern. Die Reformen der vergangenen Jahre können das grundsätzliche Problem auch nur bedingt eindämmen.

Frauenaltersarmut bleibt ein akutes Problem, betont Anik Raskin, vom „Conseil national des femmes Luxembourg“ (CNFL). „Zwar hört man immer wieder, das Problem werde sich lösen, jetzt wo Frauen vermehrt arbeiten. Das stimmt so aber nicht.“

Denn auch die Entscheidung für eine Teilzeitarbeit wirkt sich auf die zukünftigen Rentenansprüche aus. Gegenwärtig arbeiten in Luxemburg 26,7 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Teilzeit. Weniger Arbeitsstunden bedeuten dabei nicht nur weniger Gehalt, sondern auch geringere Rentenbeiträge und somit weniger Absicherung im Alter.

In einem auf Erwerb ausgerichteten Rentenversicherungssystem gelten jene als Verlierer, die sich nicht in die klassische 40-Stunden Erwerbstätigkeit einordnen lassen: Teilzeit-Jobber, Karriereunterbrecher und Erwerbslose. Bei Männern ist das Risiko weniger akut: 5,2 Prozent von ihnen arbeiten in Teilzeit.

Anhaltende Ungleichheit zwischen den Geschlechtern

Die durchschnittliche Rente für Frauen betrug 2015 in Luxemburg 1.477 Euro, bei Männern belief sie sich auf 2.207 Euro. Zu den Gründen dieser Lücke gehört natürlich das traditionelle Modell des männlichen Alleinverdieners. Zahlreiche geschiedene Frauen müssen sich auch im reichen Großherzogtum trotz späterer Berufstätigkeit mit sehr kleinen Renten zufrieden geben.

Erschwert wird die Berechnung durch Pensionsbeiträge, die im Ausland gezahlt wurden. Betrachtet man lediglich die in Luxemburg ausgezahlten Renten, so beziffert sich die durchschnittliche männliche Rente auf 3.674 Euro, die weibliche auf 1.938 Euro. Die durchschnittliche Rente von Frauen befindet sich somit knapp über der aktuellen Mindestrente von 1.841,51 Euro (diese gilt bei einem Rentenverlauf von 40 Jahren). Zum Vergleich: Die Schwelle der Armutsgrenze befand sich 2017 bei einem Einkommen von 1.805 Euro. 13 Prozent der Frauen über 65 Jahren waren 2017 vom Armutsrisiko betroffen.

Der Befund ist dabei ebenso wenig neu wie die Ursachen. Der Präsident der Rentenkasse (CNAP), Fernand Lepage, erklärt es folgendermaßen: „Die Renten der Frauen sind traditionell niedriger. Das erklärt sich dadurch, dass sie entweder weniger Versicherungsjahre haben oder, dass sie bei gleicher Versicherungszeit einen geringeren Lohn erhalten haben.“