Moschee oder Kathedrale? Gemischte Kultur oder stolze christliche Nation? Im südspanischen Cordoba kratzt ein jahrelanger Streit am pluralistischen Erbe Andalusiens. Doch es geht dabei nicht allein um die „Mezquita“, sondern auch darum, wie sich Spanien  heute selbst sieht.

Es ist ein seltsames Gefühl. Gerade haben sich die Augen an das Schummerlicht des endlosen Säulenwalds gewöhnt. Nun tritt man plötzlich in ein überdimensionales lichtdurchflutetes Kirchenschiff. Der Kontrast zwischen der Schlichtheit der niedrigen Moscheebögen und dem Prunk der in die Höhe strebenden Marmorkathedrale könnte größer nicht sein. Es ist der Geist unterschiedlicher Epochen, das Selbstverständnis zweier Weltreligionen, über die ein Besucher der Mezquita von Cordoba reflektieren kann. Kaum ein anderer Sakralbau der Welt steht so erkennbar für das jahrhundertelange Zusammensein, aber auch für den Zwist von Islam und Christentum.

„Mezquita“ (Spanisch für „Moschee“), so wird das Wahrzeichen von Cordoba in den Reiseführern gemeinhin genannt. Doch die Verwirrung fängt beim Blick in die Info-Broschüre an, die am Eingang ausliegt. „Kathedrale von Cordoba“ steht dort in großen Lettern. Das Wort „Moschee“ taucht nur in einem kurzen Absatz auf, in dem von einer „islamischen Intervention“ die Rede ist. Einige Sätze später wird eine der Bauphasen der Moschee als „nicht sehr originell“ beschrieben. Und schon ist man inmitten des Streits angelangt, der die Stadt Cordoba seit Jahren bewegt.