Ein anderer Wochenrückblick ist möglich: Pünktlich zum Wochenende blickt unsere Redaktion mit einem Augenzwinkern auf jene Themen zurück, die uns und die Medien insgesamt beschäftigt haben. Dieses Mal: Frohe Botschaften und Staatsbeamte auf den Barrikaden.

Na? Spüren Sie es auch? Fühlen Sie, wie gut es Ihnen geht? Wie sich sämtliche finanzielle Sorgen verflüchtigen? Muss es ja auch. Denn immerhin hat die Spuerkeess 2023 einen Rekord-Nettogewinn von mehr als 400 Millionen Euro verbucht. Oder wie der CEO der Luxembourg S.A., Luc Frieden, sagen würde: „D’Spuerkeess, dat si mir alleguerten.“

Auch sonst kommt der Otto Normalbürger dieser Tage aus dem Frohlocken gar nicht mehr heraus. Denn eine Jubelbotschaft jagt die nächste: 200 Millionen Gewinn für die BIL, 286 für die Cargolux und 126 Entlassungen bei Tarkett GDL – halt, pardon, das gehört hier nicht hin. Und wie es sich für einen richtigen CEO gehört, delegiert er die Verkündung von nicht ganz so frohen Botschaften an einen untergebenen „Officer“.

#Luc hörte sich diese Woche ohnehin lieber an, wie sein CFO Gilles Roth den beratungsresistenten Oppositionspolitikern erklärte, warum mit einem Budget mit umfangreichen Investitionen, weiterhin hohen Ausgaben und ohne große Sparmaßnahmen, am Ende doch noch alles gut wird. Der Trick ist so genial und simpel, dass Luxemburger Regierungen bisher noch nie darauf gekommen waren: Wachstum. Und zwar nicht irgendein Wachstum. Nachhaltig, inklusiv und qualitativ soll es sein. Großes CSV-Ehrenwort!

„Firwat soll et net opgoen?“

Mehr Arbeitnehmer, mehr Steuereinnahmen, mehr Geld zum Ausgeben: Darauf muss man erst mal kommen. Doch Luxemburg nimmt bekanntlich nicht jeden dahergelaufenen Arbeitnehmer auf. Talente müssen es sein und dafür soll nun eigens ein „Haut Comité à l’attraction, la rétention et le développement de talents“ eingesetzt werden. Dann braucht es auch keine Sparmaßnahmen, das ist sowieso ein hässliches Wort. Wir halten es da mit Budgetberichterstatterin Diane Adehm: „Spueren ass vläit de falsche Begrëff: Mir gi manner Suen méi aus“, so die Chef-Semantikerin der CSV bei „RTL“.

Samstagmorgen, Rue de la Congrégation, das Outfit sitzt. (Foto: X/Gilles Roth)

Eine Wohnung für diese unterbezahlten und viel zu hoch besteuerten Talente wird sich ja wohl noch finden lassen. Und der Rest, der kann ja bei der Spuerkeeess um einen Immobilienkredit betteln. Pardon – einen Kredit beantragen, denn Betteln ist ja verboten! Zumindest in Luxemburg-Stadt. Danke Léon, sagt da Iron Lydie. Denn seit der Maßnahme hat sich sämtliche Kriminalität in der Hauptstadt anscheinend in Luft aufgelöst. Und in Ettelbrück auch, naja. Danke für nichts Bob, zischt da die rote Taina.

Doch zurück zum „wichtigsten Gesetz des Jahres“, wie immer so gern geschrieben wird. Was nämlich, wenn es mit dem Zauberwachstum wider Erwarten doch nichts wird? Kein Problem, die Regierung weiß, was sie tut. Sie hat zwar keinen Plan, also zumindest keinen Plan B. Oder um es mit den Worten von Budgetberichterstatterin Diane Adehm zu sagen: „Firwat soll et net opgoen?“

Bäm! Schachmatt argumentiert! Und auch die Opposition konnte da nur noch die großen Wissenschaften bemühen. Sam Tanson verglich den Haushaltsentwurf mit Schrödingers Katze. Und Taina Bofferding führte die allseits beliebte Quadratur des Kreises ins Feld. Tja, wo ist bloß die Chefphilosophin der Sozialisten, wenn man sie mal braucht. Oder wie Paulette Sokrates Lenert sagen würde: „Ech wees, datt ech näischt wees.“

Ehre, wem Ehre gebührt

Eine Retrospect-Ausgabe wäre natürlich nichts ohne einen Beitrag unseres politisch-satirischen Spin-offs „Fokus“. Die ausgeklügelte Strategie, mit Monica Semedo eine amtierende EU-Parlamentarierin in die Europawahlen zu schicken, bekam diese Woche jedenfalls erheblichen Aufschwung. Das Polit-Magazin „Politico“ kürte nämlich die einstige DP-Politikerin zur schlechtesten Chefin der Legislaturperiode. #WorstBoss #Congrats

Ob auch Frank Engel zu den Gratulanten gehörte, wissen wir leider nicht. Mutmaßlich sieht der Frankster in der ihm eigenen Reflektiertheit „Politico“ einfach nur als Beteiligte an der unfairen Hexenjagd gegen seine Co-Spitzenkandidatin, die sich ja nur mit ihrem schlechten Personal herumplagen musste.

Wahre Talente sind halt schwer zu finden, wie wir wissen. Vielleicht haben die Kollegen von „Politico“ aber auch wieder mal alles falsch verstanden. Wie damals, als sie #Luc doch glatt als Orban-Versteher hinstellen wollten. Zu was sie wohl Frank Engel gekürt hätten? Zum besten Wasserstoff-Lobbyisten? Zum #BestConsultant, seit es selbst verfasste Verträge gibt? Zum erfolgreichsten Parteipräsidenten, seit es Freundeskreise gibt? Wir können es kaum erwarten.

Ob KI oder Atomenergie: Die Jungen Demokraten sind so technologieoffen, dass sie als erste Partei der Welt einen durch künstliche Intelligenz generierten Kandidaten in die Wahlen schicken. (Foto: Facebook/JDL)

Über einen Mangel an Talenten braucht man bei der DP indes nicht zu klagen. Dass man für jeden Politbereich flugs einen passenden Kandidaten oder eine passende Kandidatin in seinen Reihen hat, zeigte sich zuletzt bei der Ressortverteilung innerhalb der neuen Regierung. Immerhin waren ja Stéphanie Obertin und Eric Thill seit Langem für ihre Passion für das Digitale und die Kultur bekannt. Und deshalb wurde ja auch Gérard Schockmel Gesundheitsminister. Was? Wurde er nicht? Skandal!

Zur Not schnitzen sich die Liberalen aber auch einfach neue Politiker mithilfe von Künstlicher Intelligenz. Darauf lassen zumindest die super kreativen Anzeigen der jungen Europawahlkandidaten der DP schließen. Oder was will uns Christos Floros sonst mit seiner Message sagen? Um das zu erfahren, müssten wir ihm wohl eine E-Mail schreiben. Aber was macht er dann mit unserer Mail-Adresse?

Et geet elo duer!

All die freudigen Ankündigungen der Banken und die optimistischen Visionen des Finanzministers – ja, wir wissen, wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen – verblassten aber angesichts der wichtigsten Meldung der Woche. Nachdem der größte Skandal seit „Luxleaks“ wochenlang die sozialen und weniger sozialen Medien beschäftigte, konnte Lydie Polfer die Gemüter zumindest etwas beruhigen.

Denn: Jean La Gaufre wird auf der „Schueberfouer“ vertreten sein. Das verkündete Iron Lydie unter der Woche, als sie die Presse in Audienz, also zum „City Breakfast“, empfing. Luxemburg kann demnach aufatmen, nachdem man den belgischen Waffelverkäufer einfach so vom „Oktavmäertchen“ verbannt hatte, und das nur, weil er seine Teilnahme zu spät beantragt hatte. Nur mit Mühe konnte ein nationaler Protestmarsch verhindert werden. Und auch Mars Di Bartolomeo, der sich bereits unter dem Decknamen #MarsD’Wäffelchen als Ersatz ins Spiel brachte, kann seine Backkünste weiter gediegen auf Facebook unter die Leute bringen.

Protestieren will aber nun die CGFP. Am Montag lädt die bescheidenste Staatsbeamtengewerkschaft, seit es Punkt-Wert-Erhöhungen im öffentlichen Dienst gibt, zu einer „Protestmanifestatioun“. Der 1. Mai ist für sie dazu weniger geeignet, da müsste man ja an einem Feiertag arbeiten und sich unter den Privatwirtschaftspöbel mischen.

Der Hintergrund: Weil auch die neue Regierung nicht vom Bewertungssystem bei der Armee abrücken will, wittert die CGFP einen Bruch des Gehälterabkommens. „Jo zum Fair Play, nee zum Vertragsbroch“, proklamiert sie deshalb und geht jetzt auf die Straße. Na ja, nicht unbedingt auf die Straße, sondern ins „Parc Hotel“ in Dommeldingen. Aber dort soll es ja auch sehr schön sein und derzeit auch wärmer als auf der Straße. In diesem Sinne: schönes Wochenende!


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