Das sogenannte Schulterblatt war das Epizentrum des Protestes gegen den G20-Gipfels. Im Sommer 2017 herrschte hier Chaos und Zerstörung. Heute sprießen Coffee-Shops und hippe Läden aus dem Boden. Eine Reportage aus dem Hamburger Schanzenviertel.

Es riecht nach Zimt und frischem Kaffee. Die Espressomaschine pfeift und rattert. Die Barista krempelt die Ärmel ihres schwarzen Pullis hoch. Flink räumt die junge Frau die braunen Cappuccinotassen in den kleinen Holzschrank über der schweren, schwarzen Kaffeemaschine. „Der Espresso ist fertig“. Sie stellt einen kleinen Keramikbecher klirrend auf die Untertasse. Sie wendet sich der nächsten Kundin zu, die vor ihr am Tresen steht. „Was solls denn sein?“ Die junge Frau, weiße Kopfhörer im Ohr, ein silbernes Macbook unterm Arm, blickt kurz von ihrem Smartphone auf: „Cappuccino, wie immer.“

Vor dem „Schmidtchen“ in der Hamburger Schanze rauschen Autos mit quietschenden Reifen über die Straße. Es ist zehn Uhr morgens, es herrscht dichter Verkehr. Ein Autofahrer hupt, der LKW vor ihm hat Probleme beim Einparken. Mehrmals setzt der Fahrer des knallorangen Lastwagens neu an. Die Ladeklappe schlägt am Bürgersteig an und scheppert. Auf der Rückseite des LKWs prangt in  großen, weißen Lettern: „Voll abgefahren“.