Ob wegen des Ukrainekrieges oder der Zunahme an erneuerbaren Energien: Der Strommarkt ist mit großen Umwälzungen konfrontiert. Der spanische Blackout zeigt neue Gefahren auf. Luxemburg ist abhängig von Deutschland und nur mäßig auf die Herausforderungen vorbereitet.

12:30 Uhr am Montag, dem 28. April: Innerhalb von Sekunden bricht das spanische Stromnetz zusammen. Der Blackout dauert bis zum Vormittag des folgenden Tages, auch in Portugal. Es ist die größte Strompanne der vergangenen zwei Jahrzehnte in Europa. Die Ursache bleibt jedoch unklar. Keine Züge, keine Verkehrsampeln, kaum Mobilfunk und Internet, geschlossene Supermärkte: Der Vorfall verdeutlicht, wie sehr moderne Gesellschaften vom Strom abhängig sind.

Genau diese Abhängigkeit betonte Wirtschafts- und Energieminister Lex Delles (DP), als gleich drei Abgeordnete am folgenden Tag von ihm wissen wollten, wie Luxemburg auf eine solche Panne vorbereitet sei. „Man kann nicht zu 100 Prozent ausschließen, dass so etwas passieren könnte“, räumte der Minister im Parlament ein. Aber: Man könne stolz auf das starke und resiliente Stromnetz sein. „In Luxemburg kennen wir die Situation kaum noch, dass kein Strom da ist“, so der liberale Politiker.

Tatsächlich liegt die letzte landesweite Strompanne mehr als zehn Jahre zurück: Am 2. September 2004 fiel die Versorgung für eine halbe Stunde aus. Auf der „Schueberfouer“ standen damals plötzlich die Geisterbahnen und das Riesenrad still. Der Grund war eine Verkettung von Pannen im deutschen Netz, aus dem Luxemburg heute noch rund drei Viertel seines importierten Stroms bezieht.

Kontroverse Reform des Strommarktes

Diese Abhängigkeit macht Luxemburg wiederum zu einem Spielball der teils erratischen deutschen Energiepolitik. Das zeigt sich beim Ausbau des Netzes, aber auch beim Strompreis. Denn Luxemburg ist integraler Teil des deutschen Strommarktes. Das bedeutet, dass innerhalb Deutschlands und Luxemburgs unbegrenzt Strom gekauft und verkauft werden kann – zu einem einheitlichen Preis auf der Strombörse.

Die gemeinsame deutsch-luxemburgische Gebotszone hat sich über lange Jahre (…) bewährt und sollte nicht kurzfristig und unnötig aufs Spiel gesetzt werden.“Netzbetreiber „Creos“

Doch diese große sogenannte Gebotszone („bidding zone“) wird aktuell infrage gestellt. Auf der EU-Ebene wird geprüft, ob der europäische Strommarkt effizienter gestaltet werden könnte. Der EU-Verband der Übertragungsnetzbetreiber „ENTSO-E“ veröffentlichte am Tag des großen spanischen Blackouts einen Bericht zu dieser Frage.  Die Schlussfolgerung: Eine Aufteilung der deutsch-luxemburgischen Strompreiszone in bis zu fünf Zonen könnte mehrere hundert Millionen Euro pro Jahr einsparen.

Vor allem die strukturellen Engpässe im deutschen Stromnetz kosten aktuell pro Jahr 2,7 Milliarden Euro. Diese Kosten könnten um die Hälfte verringert werden, hält der Bericht zu einer möglichen EU-Reform auf der Grundlage umfangreicher Simulationen fest. Diese Einsparungen würden aber zum großen Teil wieder durch den eingeschränkten Handel in den kleineren Zonen aufgefressen.

Doch es gibt ein großes Aber: Die Kosten einer Aufteilung schätzt der Bericht auf zwischen 1,2 und 2,4 Milliarden Euro. Es würde vier bis neun Jahre dauern, bis diese Kosten durch die Einsparungen wieder aufgewogen würden …