Möblierte Zimmer sind die Grauzone auf dem Immobilienmarkt. Zwar legt ein Gesetz seit 2019 gewisse Standards für diese Wohnform fest. Ein Beispiel aus der Hauptstadt zeigt jedoch, warum es immer noch schwierig ist, gegen die Praxis der „Cafézimmer“ vorzugehen.

Das Haus in der Rue Adolphe Fischer ist unscheinbar. Im Erdgeschoss befindet sich ein Restaurant und in den darüber liegenden Etagen sogenannte „Cafézimmer“. Es ist eine Zwischennutzung, die bis zur Restaurierung des Gebäudes 2022 andauerte und die die Frage aufwirft, wer schlussendlich die Verantwortung trägt für Wohnumstände, die nur schwer erträglich sind. Und die gleichzeitig aufzeigt, wie schwer es den politischen Verantwortlichen fällt, gegen solche Zustände vorzugehen.

Ein Gerichtsurteil vom 8. Dezember vergangenen Jahres gibt jetzt Einblick hinter die Fassade des Gebäudes und zeigt, wie die Bewohner jahrelang unter zum Teil unmenschlichen Bedingungen leben mussten.

Bereits 2017 führte die für die Kontrolle von möblierten Zimmern verantwortliche „Commission spéciale chambres meublés“ der Stadt Luxemburg eine Kontrolle der Räumlichkeiten durch. Wie die Gemeinde auf Nachfrage von Reporter.lu mitteilt, setzt sich die Kommission aus Mitgliedern des „Service Logement“ und des „Service Urbanisme“ der Stadt sowie der Polizei und des nationalen Rettungsdienstes CGDIS zusammen.

Kein Strom, Wasser oder Heizung

Bei besagter Kontrolle im Jahr 2017 wurden damals zahlreiche Missstände festgestellt. 2019 und 2021 kam es dann zu weiteren Kontrollen, bei denen erneut Unregelmäßigkeiten durch die Kommission festgestellt wurden. Welche genau das waren, geht aus dem Urteil des Verwaltungsgerichts nicht hervor – genauso wenig wie der Name jener Gesellschaft, die diese Zimmer untervermietet hatte.

Il n’y a ni électricité, ni eau, ni chauffage.“
Schreiben der Gemeinde vom Juli 2022

Die Gemeinde jedenfalls wies die Gesellschaft, die die Zimmer an die Personen vermietete, in jedem der einzelnen Fälle per Einschreiben an, die Missstände fristgerecht zu beheben. Darauf reagierte der Vermieter jedoch nicht. Daraufhin kündigte der eigentliche Besitzer der Immobilie, die Gesellschaft mit beschränkter Haftung „New Economat sàrl“, 2022 den Mietvertrag mit der betroffenen Firma. Laut Handelsregister gehört die Gesellschaft zu gleichen Teilen den Immobilienunternehmern Guy Rollinger sowie Kurt und Yves Rammelfanger. Neben dem Gebäude in der Rue Adolphe Fischer gehört der Gesellschaft auch das Gebäude des ehemaligen Supermarkt „Economat“ an der Place de Strasbourg.

Danach wurde der Fall umso problematischer. Denn obwohl der Besitzer der Immobilie den Vertrag mit dem eigentlichen Vermieter gekündigt hatte, lebten weiterhin vier Personen im ersten und zweiten Stock des Gebäudes und dies mutmaßlich ohne fließendes Wasser, Strom oder eine funktionierende Gasversorgung …