Die „SuperDrecksKëscht“ klingt wie eine Erfolgsgeschichte. Mit der Initiative hat der Staat jedoch für eine private Firma eine Monopolstellung geschaffen, die in der Branche immer mehr für Unmut sorgt. Es geht um viele Millionen Euro Steuergelder und eine jahrzehntelange Männerfreundschaft.

Das kleine, grüne Männchen mit den roten Haaren lacht immer. Egal ob bei Frittenfett, Batterien oder Styropor – Das Maskottchen der „Aktioun SuperDrecksKëscht“ sagt dazu nur: „Maach mat!“ und bring es zu mir. Seit Anfang der 1990er-Jahre sammelt die staatliche Initiative überall in Luxemburg Problemabfälle ein. In der Zentrale in Colmar-Berg arbeiten rund 80 Mitarbeiter. Sie entwickeln Aufklärungskurse für Betriebe, analysieren chemische Abfälle und stellen ihre Arbeit in Schulen vor.

Doch die SuperDrecksKëscht ist keine reine Wohltätigkeitsvereinigung. Hinter der Initiative steht eine private Firma: Oeko-Service Luxemburg S.A.. Eigentümer sind zu gleichen Teilen die deutschen Unternehmer Hans-Peter Walter und sein Zwillingsbruder Hermann Walter. Seit rund 30 Jahren führen die aus dem saarländischen Mettlach stammenden Geschäftsmänner die Aktion für den luxemburgischen Staat aus.

Privilegierte Partnerschaft mit dem Staat

Für Oeko-Service handelt es sich um ein höchst lukratives Geschäft. Der derzeit gültige Vertrag, der Reporter.lu vorliegt, wurde im Jahr 2018 von Umweltministerin Carole Dieschbourg (Déi Greng) unterzeichnet. Er hat eine Laufzeit von elf Jahren und einen Finanzierungsrahmen von 97.541.400 Euro. Darüber hinaus kann die Firma Oeko-Service Mehrkosten geltend machen, die nach einer Prüfung ebenso vom Staat übernommen werden.

Spricht man mit Insidern aus der Abfallwirtschaft in Luxemburg, fällt schnell der Begriff „Omertà“. Die enge Verflechtung zwischen der Umweltverwaltung und Oeko-Service beschreibt die Konkurrenz als „Selbstbefruchtung“ oder zumindest als ganz bewusste Wettbewerbsverzerrung. Namentlich genannt werden will jedoch keiner der Branchenkenner.

Unabhängig voneinander geben mehrere Quellen dafür den gleichen Grund an: Man sei zu abhängig von der Umweltverwaltung, die sowohl für die Auftragsvergabe als auch für die Genehmigungsverfahren verantwortlich ist. Ein Unternehmer beschreibt die Situation wie folgt: „Wir schweigen, aber insgeheim ballt eine ganze Branche die Faust in der Tasche.“

Wir sind als Staat nur Kunde bei Oeko-Service Luxemburg. Wie die Firma ihre Finanzen bilanziert, kann ich ihnen deshalb nicht sagen.“Robert Schmit, Direktor der Umweltverwaltung

Die zentrale Anschuldigung aller Branchenkenner, mit denen Reporter.lu gesprochen hat, liest sich so: Für die Firma Oeko-Service wurde unter dem Label „SuperDrecksKëscht“ eine Monopolstellung in der Luxemburger Abfallwirtschaft geschaffen, getragen von der Umweltverwaltung und finanziert von den Steuerzahlern. Eine Quelle spricht in diesem Zusammenhang spöttisch von einer „Supergeldkëscht“.

Die Rede ist von einer privilegierten Partnerschaft, die dem Luxemburger Staat mittlerweile weit über 100 Millionen Euro wert ist. Letztlich geht es aber auch um sehr enge Verflechtungen zwischen dem Unternehmer Hans-Peter Walter und dem Direktor der Umweltverwaltung, Robert Schmit. Es ist eine Beziehung, die offensichtlich über das rein Geschäftliche hinausgeht …