Frustriertes Lehrpersonal, merkwürdige Arbeitszeitmodelle und ein Direktor, der zurücktritt und doch bleiben will: Im „Conservatoire de Luxembourg“ rumort es gleich an mehreren Ecken. Ein Blick hinter die Kulissen einer ehrwürdigen Musikschule an der Belastungsgrenze.
Im „Conservatoire de Luxembourg“ mehren sich die Misstöne. Doch sie kommen nicht aus den Unterrichtsräumen, sondern aus der Führungsetage. An der Musikschule der Hauptstadt herrscht ein Klima, das einige Lehrer als „angespannt bis feindselig“ beschreiben. „Wir hätten den schönsten Job der Welt, wenn nicht diese internen Reibungen zwischen Personal und Direktion wären“, formuliert es ein Musiklehrer im Gespräch mit Reporter.lu. „So kann es nicht weitergehen“, so die Lehrkraft, die wie über ein Dutzend ihrer Kollegen nur unter Wahrung ihrer Anonymität über das Innenleben des Konservatoriums berichtete.
In den Gesprächen mit dem Personal wird deutlich: Hier wird nicht mehr nur über Musik oder Pädagogik gestritten, sondern über ein System, das Kritiker als intransparent, willkürlich und nicht frei von politischem Einfluss wahrnehmen. Dabei richten sich die Vorwürfe nicht allein gegen den scheidenden Direktor, Marc Meyers, sondern gegen die gesamte Führungsebene. Außerdem beanstanden sie eine mangelnde Kontrolle seitens der Stadt Luxemburg, die für das „Conservatoire“ zuständig ist.
Der Kern des Unmuts bezieht sich auf eine fragwürdige Aufteilung der Arbeitszeiten innerhalb der Lehrerschaft. Hinzu kommt die Frage der Nachfolge an der Spitze der Musikschule – und ein besonderes Bewerbungsverfahren, unter dem das interne Vertrauen in die Hierarchie zusätzlich leidet.
Lehrer kritisieren ungleiche Behandlung
„Im Conservatoire gibt es Menschen, die eine Machtfülle genießen, die nicht gesund ist. Wir würden besser arbeiten, wenn dem nicht so wäre“, sagt ein Musiklehrer, der nicht namentlich genannt werden möchte. Im Fokus der Kritik steht ein konkreter Missstand: Zwei Leiter von großen Instrumentengruppen unterrichten weniger als sieben Stunden pro Woche – während Vollzeitlehrer 22 Stunden Unterricht leisten. Zwar sind für Leiter der unterschiedlichen Sektionen Entlastungsstunden („décharges“) für administrative Aufgaben vorgesehen – in diesem Fall sind dies mehr als 15 Stunden pro Woche. Andere Sektionsleiter werden im Schnitt allerdings lediglich acht Stunden vom Unterricht freigestellt.
Vergleicht man das Konservatorium mit einem Auto, dann ist das Auto in der Vergangenheit bereits mit 180 Stundenkilometern gefahren. Wir fahren jetzt mit 250 km/h. Wir sind am Limit.“
Marc Meyers, Direktor des „Conservatoire de Luxembourg“
Diese ungleiche Behandlung führt bei vielen Lehrkräften zu Unverständnis. Das weiß auch die 70 Mitglieder zählende „Association des Enseignants du Conservatoire de Luxembourg“, die den Missmut bereits gegenüber der Direktion zur Sprache brachte. „Viele Kollegen wünschen sich mehr Klarheit in den Abläufen, nachvollziehbarere Richtlinien und einen strukturierteren Dialog“, heißt es auf Nachfrage von Reporter.lu in einer Stellungnahme der Vereinigung.
Auch die Gewerkschaft des Gemeindepersonals (FGFC) ist über die Situation im Bilde. Offen kritisiert sie die Intransparenz bei der Rechtfertigung der Freistellungen. „Alle Entlastungsstunden müssen nachvollziehbar begründet und dokumentiert sein. Zudem müssen sie mit der Personalvertretung abgestimmt werden, was hier nicht der Fall ist“, betont FGFC-Präsident Claude Reuter gegenüber Reporter.lu. „Wenn diese Stunden von der Allgemeinheit bezahlt werden, können sie nicht einfach beliebig zugeteilt werden …
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