Mangel an Fachpersonal, unzureichende Kenntnis der Dossiers, fragwürdige medizinische Kontrollen: Das sind nur einige Vorwürfe, mit denen der kontrollärztliche Dienst der Sozialversicherung zu kämpfen hat. Selbst die Verantwortlichen geben zu: Das Problem liegt im System.

Der Termin beim Kontrollarzt regt viele Patienten auf. Im Vorfeld, weil sie nicht genau wissen, was sie erwartet. Oder danach, weil sie nicht glauben können, wie die Kontrolle abgelaufen ist. So erging es auch Tom Weber*. Er wurde mit zwei Leistenbrüchen operiert, war während mehreren Wochen krank geschrieben. Dann wurde auch er zum „Contrôle Médical“ zitiert – so, wie jeder, der mehr als 40 Tage krank geschrieben ist.

Untersucht wurde er aber nicht von einem Urologen, sondern von einer Neurologin. Der Patient meint, sie hätte gar nichts mit seinem Fall anfangen können. „Sie war auch gar nicht auf mein Krankheitsbild spezialisiert“, sagt er im Gespräch mit REPORTER. „Ich musste sie erst einmal darüber aufklären, warum ich überhaupt da bin. Dabei hat mich doch der Contrôle Médical einberufen“, so der Patient.

Die Geschichte von Tom Weber ist kein Einzelfall. Ganz im Gegenteil. „Wir haben ein großes Dossier an Beschwerden“, sagt Michèle Wennmacher vom Verband der „Patientevertriedung“. „Ging früher alle zwei Monate eine Beschwerde bei uns ein, sind es heute zwei pro Woche.“ Sie richten sich alle gegen den kontrollärztlichen Dienst des „Contrôle Médical de la Sécurité Sociale“ …