Das Auslaufen der hohen Beihilfen für Solaranlagen hat für einen wahren Rausch gesorgt. Zahlreiche neue Firmen drängen auf den Markt – mit teils dubiosen Geschäftspraktiken. Die Regierung will für Ordnung sorgen und gleichzeitig das Tempo hochhalten.
„Sie verlieren Geld – jeden Tag“, warnt eine Onlineanzeige. Zumindest so lange, bis man sich Solarpanels auf sein Dach installieren lässt, so das Versprechen. Der staatliche „Klimabonus“ in Höhe von 62,5 Prozent der Kosten einer Fotovoltaikanlage samt Batteriespeicher war nicht nur ein Anreiz für Verbraucher, sondern auch ein Fest für Verkäufer.
„Sie sparen Geld! Sie machen etwas fürs Klima! Aber Sie müssen sich jetzt entscheiden!“ So lassen sich die Werbeanzeigen zusammenfassen, die in den letzten Wochen vor dem Auslaufen am 30. September zirkulierten. Es war der Traum eines jeden Händlers, denn man konnte alle psychologischen Tricks anwenden. Das erklärt wohl auch manche Exzesse: Drückerkolonnen an der Haustür, „Cold calls“ durch Hotlines, massenweise Werbung in den sozialen Medien.
Für die Kunden, die sich für eine Solaranlage interessieren, ist allerdings Vorsicht geboten. Recherchen von Reporter.lu ergaben, dass bei manchen Angeboten nicht klar ist, welche Firma dahinter steht. In weiteren Fällen fehlt eine Luxemburger Niederlassungsgenehmigung, um Fotovoltaik- und Elektroinstallationen überhaupt durchführen zu lassen. Die staatliche Beratungsstelle „Klima-Agence“ berichtet von zahlreichen neuen Akteuren auf dem Markt. Ob alle ihre Werbeversprechen einhalten können, wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen.
Händler statt Handwerker
Rückblick: Auf dem Höhepunkt der Energiekrise beschloss die „Tripartite“ im September 2022, die Beihilfen für Solaranlagen von 50 auf 62,5 Prozent zu erhöhen. Die Regelung sollte ursprünglich bis Ende Juni 2024 gelten, doch die CSV-DP-Regierung entschied sich für eine Verlängerung um drei Monate bis nun Ende September.
Diese Ausweitung hat den chaotischen Markt allerdings nicht beruhigt. Denn die heimischen Firmen können die Nachfrage nicht decken. Kunden klagen über lange Wartezeiten, um ein verbindliches Angebot zu erhalten. Deshalb drängen neue Akteure auf den Markt. Zusätzlich befeuert wird der Wettbewerb durch den historisch niedrigen Preis und das Überangebot an Fotovoltaik-Modulen. Von einer „richtigen Explosion“ der Nachfrage sprach ein Beamter des Umweltministeriums bei einer Anhörung im Parlament.
Et ass ganz kloer vun der Regierung kommunizéiert ginn, datt ab dem 1. Oktober en neie Regimm kënnt. […] Et ass kee Chaos!“
Umweltminister Serge Wilmes (CSV) im Juni im Parlament
In diesem Marktumfeld wittern manche das schnelle Geld – ohne jedoch die gesetzlichen Bedingungen zu erfüllen. In einer Stichprobe von Reporter.lu bei 20 Firmen, die in den vergangenen Wochen besonders aktiv mit Fotovoltaikanlagen warben, zeigten sich mehrere Auffälligkeiten. Elf von 20 Betrieben wurden erst 2023 oder 2024 gegründet …
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