In der Affäre um die Suspendierung des Chirurgen Philippe Wilmes untersucht Gesundheitsministerin Martine Deprez (CSV) derzeit einen „Recours gracieux“ des Betroffenen. Vor allem soll geprüft werden, ob der „Collège médical“ seine Stellungnahme in diesem Fall regelkonform erstellt habe, betonte sie am Montag im parlamentarischen Ausschuss für Gesundheit. Mehrere Abgeordnete stellten dort Fragen zum rechtmäßigen Ablauf der Prozedur.

Martine Deprez erklärte, aus ihrer Sicht sei die Prozedur korrekt abgelaufen. Sie habe auch keine andere Entscheidung als die dreimonatige Suspendierung des Chirurgen treffen können, denn das Gesetz zum Arztberuf lasse der Ministerin keinen Ermessensspielraum. Es habe auch keinen Grund bestanden, am „Collège médical“ zu zweifeln, der diese Maßnahme explizit gefordert hatte. Die Verteidigungsrechte des Beschuldigten seien zudem gewahrt worden, so die Ministerin. Die Vorwürfe von unnötigen Knieoperationen ohne entsprechende medizinische Indikation bis hin zu „Actes de nature mutilante“ seien zu schwerwiegend gewesen, um nicht zum Schutz der Patienten sofort zu handeln.

„Ich verspüre keinen politischen Druck, ich entschied, ohne mir solche Gedanken zu machen“, betonte Martine Deprez. Am Sonntag hatte Philippe Wilmes einen offenen Brief an Premier Luc Frieden (CSV) veröffentlicht, in dem er schwere Vorwürfe gegen die Ministerin erhob: Sie habe „illegal gehandelt“ und eine „willkürliche Entscheidung“ getroffen. Der Arzt beklagt, dass er die Mehrzahl der Dossiers nicht habe nachvollziehen können. Er spricht von einer „politischen Affäre“ …