Eine Fahrt mit der Indian Railways ist eine quintessentiell indische Erfahrung. Die Eisenbahngesellschaft ist auf dem Subkontinent das Volkstransportmittel schlechthin. Sie kämpft allerdings mit Überlastung und hoffnungslos veralteter Technik.

Während der Zug noch einrollt, springen die ersten schon aufs Trittbrett der offenen Waggontüren. Wer aussteigen will, muss sich jetzt durch ein Bollwerk von Eindringlingen  kämpfen. Vom Bahnsteig aus hat ein Reisender durch das Fenster schon einen freien Sitzplatz erspäht. Siegessicher drückt er seine Aktentasche durch die Gitterstäbe – nur Dreistigkeit sichert einen Sitzplatz. Als der Zug zehn Minuten später den Bahnhof verlässt, gleicht er einer Legebatterie. Sitzbänke, für vier ausgelegt, sind doppelt besetzt. Koffer stehen auf dem Boden und Passagiere liegen auf der Gepäckablage. Andere drücken sich im Gang Ellenbögen in die Bäuche oder hängen im Fahrtwind aus der Tür.

Die General Class ist die Volksbeförderung der indischen Eisenbahngesellschaft und gleichzeitig eine Metapher für Indiens Überbevölkerung. Die General Class befindet sich an der untersten Fahnenstange einer unübersichtlichen Liste von Fahrklassen, sie ist  die einzige Klasse, für die keine Reservierung nötig ist. Es kann einsteigen wer will, der Ticketpreis übersteigt in Euro umgerechnet selten den Centbereich.