Kaum irgendwo in Frankreich gibt es so viele verwaiste Firmengelände wie im grenznahen Lothringen. Die Dekontaminierung verläuft oft schleppend. Jahre nach dem Schließen der Werkstore belasten die Industriebrachen noch immer Boden, Grundwasser und die Bevölkerung.

Als Leiter der Abteilung „Verseuchte Gelände und Böden“ bei der staatlichen Umweltbehörde „Ademe Grand-Est“ beschäftigt sich Jérémy Muller schon seit vielen Jahren mit verwaisten Industriebrachen. Die Behörde springt immer dann ein, wenn ein Unternehmer insolvent gegangen ist und nicht genug Geld für die Räumung zurückgelegt wurde. „Lothringen hat ein schweres Erbe aus der Blütezeit der Schwerindustrie“, erklärt Jérémy Muller. Seit rund zehn Jahren engagiere sich der französische Staat verstärkt in der Dekontaminierung solcher Industriebrachen.

Allein die „Ademe Grand-Est“ sei aktuell auf etwa 30 Geländen gleichzeitig aktiv. Damit ließe sich aber auch festhalten: Die meisten verwaisten Industriebrachen lassen sich Unternehmen zuordnen, die noch in Betrieb sind. Darunter zählen in Lothringen Standorte vieler großer Konzerne wie Total Petrochemicals France oder ArcelorMittal. Beide bekommen regelmäßig Post von Behörden, weil sie fällige Räumungen schon seit Jahren verschleppen.

„Ein explosiver Cocktail“

Während er insgesamt einen positiven Trend sehe, kann Jérémy Muller aber auch von einigen Extremfällen berichten. 400 Tonnen teils hochgiftiger Müll, darunter leicht entzündliche Abfälle und Brennstoffe, lagerten lange Zeit ungesichert inmitten einem Wohngebiet. „Das war wirklich ein explosiver Cocktail“, schildert der Experte. Die Rede ist von der Firma Pimest in Boulange, einem kleinen Ort in Lothringen auf halber Strecke zwischen Esch/Alzette und Hayange …