Aus den Augen, aus dem Sinn – das gilt auch für die CO2-Emissionen der Flugzeuge. Bisher tauchen sie in keiner nationalen Klimabilanz auf. Dabei wachsen der Flugverkehr und damit der Ausstoß von Treibhausgasen stark – auch in Luxemburg.

Autos und der Tanktourismus belasten die Luxemburger Klimabilanz mit Abstand am meisten. Der Transport auf den Straßen macht fast zwei Drittel der Luxemburger CO2-Emissionen aus. Als REPORTER vergangene Woche über das wachsende Autoproblem berichtete, lautete die Reaktion vieler Leser: Ja, schön und gut, aber was ist mit Flugzeugen und großen Containerschiffen?

Auch wenn diese Bemerkung nichts am eigentlichen Luxemburger Problem ändert, so ist die Frage dennoch absolut berechtigt. Auf den Ausstoß der Flugzeuge angesprochen, meinte Infrastruktur- und Nachhaltigkeitsminister François Bausch (déi gréng): „Dat ass net e grousse Batz.“

Das trifft es allerdings nur zum Teil, denn die Emissionen der Luftfahrt entsprachen 2016 knapp 15 Prozent aller Klimagase, die Luxemburg zugerechnet werden. Die Schifffahrt fiel dagegen mit 135 Tonnen CO2 pro Jahr nicht ins Gewicht. 2016 entsprachen die Treibhausgas-Emissionen Luxemburg einem Total von 10 Millionen Tonnen CO2. Weltweit ist die Luftfahrt lediglich für zwei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. In der EU sind es drei Prozent.

Nur: Was die Flugzeuge Luxemburger Gesellschaften in die Atmosphäre blasen, wird nicht dem nationalen Klimakonto angerechnet. Im Bericht des Umweltministeriums werden diese Emissionen nebenbei abgehandelt. Der offizielle Begriff lautet „Bunkerbestände“, die auch die Emissionen der internationalen Schifffahrt umfassen. Sie sind deshalb ein blinder Fleck der Klimapolitik.

Pariser Klimaabkommen ignoriert das Problem

1997 konnten sich die Delegierten bei der Ausarbeitung des Kyoto-Protokolls nicht einigen, wie die Emissionen von Schiffen und Flugzeugen auf jene Länder verteilt werden, die sie durch- oder überqueren. Heraus kam ein fauler Kompromiss: Die Emissionen werden jedem Land zugerechnet, wo der Treibstoff gekauft wurde. Trotzdem ist dieses Land nicht dafür „verantwortlich“ und sie tauchen auch nicht in dessen Klimabilanz auf, erklärt die Forscherin Beatriz Martinez Romera. Das heißt, die Klimaziele, die die Länder erfüllen müssen, betreffen weder die Flugzeuge noch Schiffe, die Ländergrenzen überqueren.

Bei den Verhandlungen zum Pariser Klimaabkommen Ende 2015 wurde kurz vor Schluss ein Artikel zur Schiff- und Luftfahrt aus dem Text des Abkommens gestrichen, so Martinez Romera. Der Grund: zu kontrovers, zu kompliziert und scheinbar zu unwichtig.