Die Liberalisierung der Drogenpolitik ist in Europa auf dem Vormarsch. Doch das Tempo der Maßnahmen könnte sich verlangsamen. Denn öffentlicher Drogenkonsum und steigende Bandenkriminalität führen bei Politikern zunehmend zur Ernüchterung.

„Haschisch, Gras, Kokain?“ Im Zentrum von Lissabon erhält sogar ein grauhaariger „The Economist“-Korrespondent solche Angebote. Das örtliche „Vale de Alcântara“, ein Tal, in dem eine Hauptstraße durch einen Park führt, ist mit Müll und Drogenutensilien übersät. Dealer und User drängen sich in einer Reihe von heruntergekommenen Gebäuden. In der Nähe befindet sich eine staatliche Einrichtung, in der sie problemlos „high“ werden können. Aber oft ist es zu voll, und manche konsumieren lieber im Freien.

Portugal gilt als Vorbild für die Drogenliberalisierung. Im Jahr 2001 wurde der Besitz aller Drogen für den persönlichen Gebrauch entkriminalisiert. Der Verkauf bleibt zwar weiterhin illegal, aber die „Harm-Reduction“-Strategie der Regierung erleichtert die Aufgabe der Polizei. Stattdessen bietet der Staat denjenigen, die aufhören wollen, eine Therapie an und betraut „Abschreckungskommissionen“ mit einer Reihe von Maßnahmen – von Geldstrafen bis hin zu Reiseverboten, um sie in diese Richtung zu drängen. Der Staat hilft auch bei der Bereitstellung von sauberen Nadeln und Tests zur Reinheit der Drogen.

Ähnliche Maßnahmen bestehen in den Niederlanden. Dort sollen sie dazu geführt haben, dass die Suchtepidemien in den 1980er und 1990er Jahren umgekehrt und drogenbedingte Kriminalität und Krankheiten eingedämmt werden konnten.

Schadensminderung als Ziel

Viele europäische Länder folgten trotz politischer Widerstände diesem Trend zur Schadensminderung, zumindest schrittweise. Allerdings mehren sich mittlerweile auch die Bedenken. In manchen Ländern ist der Konsum harter Drogen im Freien deutlicher sichtbar; in anderen Ländern, wie Schweden und den Niederlanden, nimmt die Bandenkriminalität zu. Das veranlasst einige Politiker dazu, sich wieder für eine strengere Strafverfolgung einzusetzen …