Im Zuge des Ukrainekrieges wurden allein in der EU rund 191 Milliarden Euro an russischem Vermögen eingefroren. Westliche Regierungen wollen das Geld nun für Waffen und den Wiederaufbau der Ukraine nutzen. Doch es gibt noch rechtliche und praktische Bedenken.

Aus wirtschaftlicher Sicht definiert sich ein Vermögenswert dadurch, dass ein Eigentümer daraus künftige Vorteile ziehen kann. Einige Vermögenswerte, wie Kryptowährungen, erfordern einen kollektiven Glauben an diese Vorteile. Andere, wie Wein, werden unbestreitbar zukünftige Freude bereiten, wie zum Beispiel die Möglichkeit, einen 1974er Château Margaux zu genießen. Wieder andere, wie US-Staatsanleihen, beinhalten einen Anspruch an die Regierung der stärksten Volkswirtschaft der Welt, der durch ein beeindruckendes Rechtssystem gestützt wird.

Um solche Vorteile zu nutzen, muss ein Eigentümer jedoch Zugriff auf sein Vermögen haben. Und hier hat die Russische Zentralbank ein Problem. Wie jede andere Zentralbank hortet die „CBR“ Währungsreserven im Ausland. Nach der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 fror die G7 diese Vermögenswerte ein und verbot Finanzunternehmen, sie zu verschieben.

Von den 282 Milliarden US-Dollar an russischen Vermögenswerten, die in Japan und im Westen eingefroren wurden, werden etwa 207 Milliarden US-Dollar (191 Milliarden Euro) bei „Euroclear“, einer Clearingstelle in Belgien, gehalten. Wenn Kuponzahlungen auf russische Vermögenswerte fällig werden oder Anleihen zurückgezahlt werden, überweist Euroclear das Geld auf ein Bankkonto. Auf diesem Konto befinden sich mittlerweile rund 132 Milliarden Euro. Letztes Jahr erbrachte es einen Ertrag von 4,4 Milliarden Euro, der gemäß den Geschäftsbedingungen praktischerweise Euroclear gehört …