Es ist ein handfester Umweltskandal: Der „Crassier“ Differdingen dient nach wie vor der Entsorgung von gefährlichen Industrieabfällen. Eine Deponie verstößt gegen das Gesetz, die Behörden sind seit Jahren überfordert. Die Folgen für Umwelt und Gesundheit sind kaum absehbar.

„Mir sinn d’Poubelle vum ganzen Land“. Es ist ein Satz, den man in Differdingen immer wieder hört. Seit über einem Jahrhundert ist die „Cité du fer“ durch die Stahlindustrie geprägt, die bis heute vor Ort Hunderte Arbeitsplätze sichert. Gleichzeitig hat die Produktion von ArcelorMittal (und früher der Arbed) enorme Mengen an Industrieabfall zur Folge, der zum großen Teil in unmittelbarer Nähe gelagert wird.

Als „Poubelle“ dient vor allem der „Crassier“, eine Ansammlung von mehreren Deponien. Auf die riesige Halde, die sich auf 150 Hektar von Differdingen bis nach Sanem zieht, wurde über Jahrzehnte unterschiedlichster Industriemüll geschüttet. Auf dem Gelände häufen sich Bauschutt und Schrott, aber auch umweltschädliche Filterstäube, Schlämme und Schlacken aus der Stahlproduktion und der Abfallbehandlung.

Eine illegale Deponie

Lange war der „Crassier“ ein rechtsfreier Raum, der von allen möglichen Industriebetrieben genutzt wurde. Bis heute verläuft die Lagerung der zum Teil giftigen und umweltbelastenden Stoffe weitgehend ungeregelt und ohne staatliche Kontrolle. Eines der dringendsten Probleme ist die Werksdeponie von ArcelorMittal, die im Westen der Halde liegt. Was nur Insider wissen: Dieser Deponie fehlt bis heute eine klare Rechtsgrundlage.

Oder wie es ein Beamter aus dem Umweltministerium ausdrückt: „Diese Deponie wurde nie von einem Umweltminister genehmigt. Demnach ist sie als illegal anzusehen, solange das nachträgliche Verfahren zur Regulierung nicht abgeschlossen ist.“ Im Klartext: Die Nutzung der Deponie verstößt gegen geltendes Recht …