Umfragen sind nur Momentaufnahmen und nicht zu überschätzen, heißt es. Und doch haben sie mittlerweile auch in Luxemburg eine politische Eigendynamik entwickelt, die eine fruchtbare Debatte über die Sachthemen erschwert. Eine Analyse.

„Das Beste an Umfragen ist: Sie garantieren der Chefredaktion, die sie in Auftrag gibt, eine planbare Schlagzeile“, schreibt der Schweizer Journalist und Autor Constantin Seibt in seinem Bestseller „Deadline“. „Egal, ob es um die beliebtesten Politiker geht oder um die Haltung zu Banken, Religion, Sex – irgendetwas Verwertbares wird dabei herauskommen.“

Auch in Luxemburg vertrauen viele Medien auf die Macht der Politiker-Bestenlisten und entzückenden Tortengrafiken. So auch wieder in der vergangenen Woche, als „RTL“ und „Luxemburger Wort“ die „Sonndesfro“ und weitere Ergebnisse ihrer bei „TNS Ilres“ gekauften politischen Umfragen veröffentlichten. In der Tat kam dabei „irgendetwas Verwertbares“ heraus. Und die Schlagzeilen waren auch sicher.

Das Geschäft mit der „Sonndesfro“

Regelmäßig lassen die Publikationen der „Sonndesfro“ aber die gebotene Vorsicht im Umgang mit demoskopischen Daten vermissen.

Ein Beispiel: Laut „RTL“ ist Schwarz-Grün mit Verweis auf die Umfragen „die meisterwartete und meistgewünschte Koalition“. So titelte „RTL.lu“ am vergangenen Freitag, so wurde es prompt per Push-Mitteilung an die Leser versendet und so ging es den ganzen Tag über den Äther von „RTL Radio“ und „RTL Télé“.