In Hesperingen wurden mehrere Gemeinderäte angezeigt. Was als Streit um eine Personalie begann, mündet nun in polizeilichen Vorladungen für die Opposition. Über emotionsgeladene Dossiers, politische Vendettas und ein Rathaus, das seine Geister nicht loswird.
Die Gemeinde Hesperingen sorgte in den letzten Jahren wiederholt für Schlagzeilen. Nicht immer waren die Meldungen positiv. So auch im Juli 2024, als es um die Anstellung der Stieftochter des damaligen Bürgermeisters Marc Lies (CSV) bei der Gemeindeverwaltung ging. Die Opposition machte das Vorhaben damals öffentlich, woraufhin Marc Lies den Räten mit Konsequenzen drohte.
Diese Konsequenzen bekamen die Oppositionsräte jetzt zu spüren. In den letzten Wochen wurden sie alle von der Polizei vorgeladen. Hintergrund ist eine Anzeige, in der ihnen vorgeworfen wird, gegen ihre Geheimhaltungspflicht verstoßen zu haben.
Der Fall ist nicht nur ein für die Kommunalpolitik außergewöhnliches Unterfangen. Er zeigt auch, wie angespannt das Verhältnis zwischen Marc Lies und den Oppositionsräten auch jetzt noch ist, nachdem der langjährige „Député-Maire“ sein Amt an der Spitze der 17.000-Einwohner-Gemeinde niederlegte – und wie groß sein Einfluss auf die Geschehnisse im Hesperinger Rathaus auch weiterhin ist.
Das „Gespenst“ von Hesperingen
„Manchmal hat man den Eindruck, dass in diesem Rathaus ein böses Hausgespenst spukt“, sagte Mathis Godefroid (LSAP, ehemals Piraten) in einer Sitzung des Gemeinderats am 20. März, ohne dieses Gespenst jedoch zu benennen. Während dieser Sitzung stellten die Oppositionsräte dem Schöffenrat mehrere Fragen zu der Anzeige, die gegen sie gerichtet wurde. Doch nicht nur der Schöffenrat antwortete auf die Fragen.
Auch das „Gespenst“ meldete sich anschließend in den sozialen Medien zu Wort. Marc Lies sprach dort von einer Täter-Opfer-Umkehr. Stephen De Ron (Déi Gréng) und Mathis Godefroid hätten „keine Moral, keine Ethik!“ und hätten nicht erwähnt, dass sie den Namen einer Privatperson aus einer geheimen Ratssitzung in die Öffentlichkeit getragen hätten. Der Ton ist rau. Und das, obwohl Marc Lies sich im Juni vergangenen Jahres aus der Kommunalpolitik zurückzog.
Marc Lies ist zwar nicht mehr Bürgermeister, er fühlt sich aber trotzdem noch dazu berufen, in den sozialen Medien Kommentare zur Kommunalpolitik zu verfassen.“Bürgermeisterin Diane Adehm (CSV)
Die Oppositionspolitiker wurden nun auch nicht vom Ex-Bürgermeister selbst, sondern von seiner Stieftochter angezeigt. Hintergrund ist ein Brief der Opposition von Mitte Juli 2024 an das Ministerium für innere Angelegenheiten, den die Räte auch an die Presse weitergeleitet hatten. In diesem Schreiben machten sie Minister Léon Gloden (CSV) auf die Nominierung der Stieftochter des Bürgermeisters als Koordinatorin des „Pacte communal du vivre-ensemble“ aufmerksam, obwohl sie nicht die nötigen Diplome für den Posten vorweisen könne …
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