Was mit einem einzelnen Polizeieinsatz begann, enthüllte ein System der Ausbeutung. Alina F. und Oleh P. sollen die Luxemburger Filiale eines internationalen Prostitutionsnetzwerks betrieben haben. Beiden mutmaßlichen Drahtziehern drohen lange Haftstrafen.
Kurz vor Mitternacht hallen am 8. Juni 2021 Hilferufe durch die Avenue de la Gare in Luxemburg-Stadt. „Help, call the police!“, schreit eine junge Frau vom Balkon eines Mehrfamilienhauses im siebten Stock in die Dunkelheit. Eine Videoaufnahme eines Passanten zeigt, wie sie kurz darauf von einer Person zurück in die Wohnung gezogen wird.
Um 23:47 Uhr geht ein Notruf bei der Polizei ein. Als Beamte wenig später in der Avenue de la Gare eintreffen, sind die mutmaßlichen Angreifer weg. Stattdessen stoßen die Polizisten auf eine junge Russin, die erst zwei Tage zuvor in die Wohnung eingezogen war. Zehn Tage sollte sie bleiben und dort Freier empfangen, so war es ihren Aussagen zufolge mit zwei Zuhältern vereinbart.
Die Covid-Pandemie habe sie in finanzielle Not gebracht, erzählte sie den Polizisten. Sie habe dringend Geld gebraucht. An diesem Abend aber habe sie nicht mehr weiterarbeiten wollen. Ihre Zuhälter hätten dies jedoch nicht hinnehmen wollen. Kurz darauf hätten sie vor der Tür gestanden. Es sei zum Streit gekommen.
Zugriff nach aufwendigen Ermittlungen
Dieser Polizeieinsatz wurde zum Ausgangspunkt umfangreicher Ermittlungen. Über Jahre hinweg rekonstruierten die Behörden die Strukturen eines mutmaßlich internationalen Prostitutionsnetzwerks. Vergangene Woche mussten sich in diesem Zusammenhang zwei Personen vor einer Kriminalkammer des Bezirksgerichts Luxemburg verantworten.
Die Staatsanwaltschaft wirft Alina F. und Oleh P. Zuhälterei, Menschenhandel und die Beteiligung an einer kriminellen Organisation vor. Nach Überzeugung der Anklage betrieben die 46-Jährige und der 55-Jährige die Luxemburger Zelle eines weit verzweigten Netzwerks, das Frauen, vor allem aus Russland und der Ukraine, zur Prostitution ins Großherzogtum brachte. Bis zu 150 Frauen sollen zwischen 2020 und 2022 zeitweise für die beiden ukrainischen Staatsbürger gearbeitet haben.
Das ist eine kriminelle Organisation, wie sie im Buche steht.“Vertreter der Staatsanwaltschaft
Es ist einer der bedeutendsten Fälle von mutmaßlichem Menschenhandel in der Luxemburger Geschichte. Dies spiegelt sich auch im letzten Bericht der Luxemburger Menschenrechtskommission wider. Dem Bericht zufolge geht ein großer Teil der 152 zwischen 2023 und 2024 in Luxemburg gezählten Fälle von Menschenhandel auf den mutmaßlichen Prostitutionsring von Alina F. und Oleh P. zurück.
Vor Gericht schilderte der leitende Ermittler der Kriminalpolizei, wie die Behörden den beiden Angeklagten schließlich auf die Spur kamen …
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