Eine Luxemburger Firma belieferte kurz nach Kriegsausbruch das ukrainische Militär mit Helmen und schusssicheren Westen. Doch nach einer verspäteten Lieferung stellte die Gegenseite die Zahlungen ein. Durch den Rechtsstreit droht dem Unternehmen nun die Pleite.

Als der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine begann, zögerte Gabriele Sibio, Eigentümer von „Powerlab“ mit Sitz in Bettemburg nicht lange. Das Unternehmen, das unter anderem auf komplizierte Logistik spezialisiert ist, stellte innerhalb kürzester Zeit einen Versorgungskorridor über Polen und Rumänien in die Ukraine her. Der Grund war nicht nur kommerziell: Gabriele Sibio ist mit einer Ukrainerin verheiratet und auch Geschäftsführer Cédric Zywczyn hat familiäre Verbindungen zur Ukraine.

„Am Anfang lieferten wir zivile Hilfsgüter über eine eigens dafür gegründete und durch private Spenden finanzierte Plattform. Anfang März 2022 wurden wir zum ersten Mal vom ukrainischen Verteidigungsministerium kontaktiert“, erklärt Gabriele Sibio im Gespräch mit Reporter.lu. Das Ministerium in Kiew suchte der Anfrage zufolge dringend nach Helmen, schusssicheren Westen und ballistischen Schutzplatten.

Dem offiziellen Schreiben wurden die zur angefragten Lieferung benötigten Papiere beigelegt. Darunter auch ein sogenanntes „End User Certificate“ (EUC), unterzeichnet im Namen des damaligen ukrainischen Verteidigungsministers Oleksij Resnikow. Das Zertifikat bescheinigt, dass 2.825 Westen, 5.650 ballistische Platten und 5.522 Helme nur an die „Armed Forces of Ukraine“ als Endkunden geliefert werden dürfen.

Millionen-Geschäft gerät ins Stocken

Auch Luxemburgs Verteidigungsministerium wurde über die geplante Transaktion informiert. Dies belegt ein Brief vom 14. März 2022, den der stellvertretende Verteidigungsminister Vyacheslav Shapovalov an den damaligen Ressortminister François Bausch (Déi Gréng) verfasste: „Wir bestätigen hiermit den Vertrag mit Powerlab und die kommerzielle Beziehung“, so das Schreiben, das Reporter.lu vorliegt.

Den Preis der ersten Lieferung in Höhe von 3,1 Millionen Euro überwies das ukrainische Verteidigungsministerium im Voraus. Die Lastwagen kamen dann in zwei Lieferungen in Dornesti an, dem größten Logistikhub nahe des Grenzübergangs zwischen Rumänien und der Ukraine. Dort wurden sie von Beamten des ukrainischen Verteidigungsministeriums geöffnet, geprüft und weiter an die Front geleitet. Das Kriegsgebiet, in dem aktiv gekämpft wurde, war zu diesem Zeitpunkt noch weitaus größer als heute. Noch bewegten sich russische Kolonnen auf die Hauptstadt Kiew zu und wüteten in den Vorstädten wie Butscha oder Irpin …