Nach langen Ermittlungen landet eine Affäre um mutmaßlichen Menschenhandel in einem nepalesischen Restaurant vor Gericht. Der Prozess gibt Einblicke in ausbeuterische Arbeitsbedingungen – und eine Diaspora, die Konflikte sonst lieber unter sich regelt.

Die Stimmung ist etwas aufgeladen an diesem Herbstnachmittag vor dem Saal der Kriminalkammer des Bezirksgerichts Luxemburg. Viele Mitglieder der nepalesischen Community, aber auch Aktivisten sind da, um die sechs Menschen zu unterstützen, die den Schritt wagten, ihren ehemaligen Arbeitgeber anzuzeigen. Die Vorwürfe: Menschenhandel verbunden mit schwerer psychischer und körperlicher Gewalt, unwürdige Unterbringung und kaum Bezahlung für die Arbeit, die sie tagtäglich in einem Restaurant im Süden des Landes leisten mussten. Reporter.lu hatte kurz nach den ersten Anzeigen vor rund vier Jahren über den Fall berichtet.

Den drei Männern, die damals ihre Arbeits- und Lebensbedingungen angeprangert hatten, schlossen sich danach drei weitere Personen an. Alle wurden vom „Service Info-Traite“ unterstützt. Sozialarbeiter des Hilfsdienstes für Opfer von Menschenhandel begleiteten die Kläger von der ersten Anhörung bis zu den Türen des Gerichtssaals.

Auffällig ist, dass die Community sich aufteilt: Eine Menschenmenge tummelt sich in den vorderen und hinteren Reihen, auf der anderen Seite sitzen zwei Paare aus Nepal. Es sind die beschuldigten Ex-Restaurantbetreiber und die Eltern des Hauptbeschuldigten. Sie blicken stoisch vor sich hin. Die beiden Beschuldigten werden gleich am Anfang der Verhandlung vom vorsitzenden Richter auf die Anklagebank versetzt.

Die Facetten der Ausbeutung

Nachdem die Übersetzung ins Nepalesische gesichert ist, müssen auch die sechs mutmaßlichen Opfer den Saal verlassen, denn nun beginnt die erste Anhörung der Angeklagten. Der Richter liest dem ehemaligen Betreiber eines nepalesischen Restaurants die lange Liste der Anklagepunkte vor. Raju G., ein gepflegt gekleideter, etwas untersetzter Mann, Anfang 40, hört teilnahmslos zu.

Als der Richter ihn fragt, ob er etwas zu den Vorwürfen zu sagen hat, bestreitet er, jemals eine Straftat begangen zu haben. Dann geht er ziemlich schnell zum Gegenangriff über und behauptet, dass seine ehemaligen Angestellten ein „Komplott“ gegen ihn und seine Frau geplant hätten, um ihn und sein Restaurant zu ruinieren. Anstifter sollen die Betreiber einer indischen Restaurantkette in Luxemburg sein, die ihm die Köche abwerben wollten, so Raju G. vor Gericht. Auch die Ehefrau des Hauptangeklagten …

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