Krisen, Fantasiepreise und die Luxemburger Mentalität: Wohnungsbauminister Claude Meisch lässt keine Zweifel an seiner Analyse des Immobilienmarktes. Er will den Staat zu einem einflussreichen Akteur machen. Doch die Wirkung wird Jahrzehnte brauchen.

Interview: Pit Scholtes

Herr Meisch, würden Sie sich heute eine Neubauwohnung kaufen?

Wenn ich eine Wohnung für mich selber brauchen würde, ja.

Und es wäre Ihnen nicht zu teuer? Im Bestand könnten Sie doch ein besseres Geschäft machen?

Das weiß ich nicht. Im Neubau kann man aber gestalten und hat ein Mitspracherecht, wie die Wohnung nachher aussieht. Und ich habe genug Vertrauen in den Immobilienmarkt, dass die Wohnung sowohl gebaut als auch wertstabil bleiben wird.

Aber Sie würden versuchen, sich einen Preisnachlass auszuhandeln?

Ich bin es gewohnt, immer ein bisschen zu verhandeln. Ohne Verhandeln macht die Sache auch keinen Spaß. Es ist wie in der Politik.

In seiner Rede zur Lage der Nation hat Premierminister Luc Frieden (CSV) betont, Luxemburg habe die Baukrise überwunden. Wie ist Ihre Einschätzung, haben wir sie wirklich überwunden?

Die Frage ist ja: Was ist eine Baukrise, was ist eine Wohnungsbaukrise und wie unterscheidet man zwischen beiden? Auf dem Immobilienmarkt sieht man, dass wieder mehr Nachfrage da ist, dass diese sich aber mehr auf Bestandswohnungen konzentriert und nicht auf Wohnungen auf Plan. Dennoch zeigt diese Entwicklung, dass die Menschen weiterhin Vertrauen haben und dass wieder Finanzierungsmöglichkeiten vorhanden sind. Auch weil es eine Preiskorrektur im Bestand gab. Aber das Modell, dass man ein Projekt plant und dann 80 Prozent vorverkauft, das ist heute nicht mehr die Regel. Ist es das, was wir unter Wohnungsbaukrise verstehen? Und wollen wir dahin zurück? Wir hatten es sicherlich auch mit einem überhitzten Markt zu tun und einer Zeit, in der alles, was auf den Markt kam, und das zum Teil zu teuren Preisen, dennoch verkauft wurde. Mit jährlichen Preissteigerungen von 15 bis 20 Prozent. Das war ja keine Normalsituation.

Für Claude Meisch (DP) braucht es ein neues Gleichgewicht zwischen den Finanzierungsmöglichkeiten und den Preisen. Wer Neubauprojekte anbietet, der müsse auch sicherstellen, dass sie finanzierbar sind. (Foto: Laurent Sturm)

Die Regierung beschloss, den Markt mit steuerlichen Maßnahmen zu unterstützen. Sie hatten bereits im vergangenen Jahr in Aussicht gestellt, die Maßnahmen würden bereits zum Jahreswechsel auslaufen. Sie wurden dann bis Ende Juni verlängert. In den Statistiken spiegelte sich das in rückläufigen Verkaufszahlen im ersten Quartal wider. Haben Sie keine Bedenken, dass es im Herbst wieder zu einer Flaute auf dem Immobilienmarkt kommt?

Es war sicherlich nicht falsch, zu sagen: Wer Geld hat und von steuerlichen Vorteilen profitieren will, der soll das bitte auch jetzt tun. Das haben wir Ende 2024 getan und gesehen: Da bewegt sich was und das würgen wir jetzt nicht ab. Deshalb haben wir die Maßnahmen noch einmal um sechs Monate verlängert. Und auch jetzt stellen wir fest: Im Mai und Juni haben die Verkäufe noch einmal stark angezogen. Aber natürlich hat das etwas Mechanisches, wenn einige sich sagen, komm, wir unterschreiben noch schnell vor Juli, ehe dann im Juli etwas wegfällt. Das gibt dann wieder einen temporären Abwärtstrend. Aber ich finde, es ist nicht zielführend, den Immobilienmarkt dauerhaft mit Steuersubventionen zu pushen. Das mag gerechtfertigt sein in der Krise, in der wir waren und wo hohe Zinsen auf hohe Preise trafen. Aber schlussendlich brauchen wir ein neues Gleichgewicht zwischen den Finanzierungsmöglichkeiten und den Preisen. Wer Neubauprojekte anbietet, muss sicherstellen, dass sie finanzierbar sind.

Was ist denn Ihre Erklärung, wieso die Preise im Neubau der neuen Situation nicht Rechnung tragen? Ist es eine naive Wartehaltung der Entwickler oder sind es die Banken, die sagen, wir haben das Projekt so finanziert und wir wollen auch diesen Ertrag?

Wer einen Fantasiepreis für eine Wiese bezahlt hat und schauen muss, das Geld wieder reinzubekommen, hat nicht die Flexibilität, jetzt die Preise anzupassen. Aber auch die Baupreise haben in den letzten Jahren deutlich angezogen. Ich bin jedoch überzeugt, dass ein Entwickler, der seine Grundstücke zu einem vernünftigen Preis eingekauft hat und der effizient bauen kann, immer noch seine Marge machen kann …