Claude Gobbo ist querschnittsgelähmt. Der Grund: mutmaßliche Behandlungsfehler. Vom verantwortlichen Arzt fordert er Schadenersatz in Millionenhöhe. Der Fall steht exemplarisch für endlose Gerichtsverfahren. Der Mediziner praktiziert bis heute.

Claude Gobbo war 42 Jahre alt, als sein Arzt einen gutartigen Tumor entdeckte. Eine Operation war zunächst nicht geplant, es sollten lediglich eine Darmspiegelung und ein weiteres endoskopisches Verfahren durchgeführt werden. Doch weil er die Behandlung als unangenehm empfand, bat Claude Gobbo um eine Vollnarkose.

Er habe nicht gewusst, dass der Arzt während dieser Untersuchung eine Operation durchführen würde, um den Tumor von zwei Zentimetern Durchmesser zu entfernen, erzählt Claude Gobbo heute im Gespräch mit Reporter.lu. Nach dem Eingriff wachte er auf der Intensivstation auf. Es folgten ein multiples Organversagen und sieben Wochen Koma. Danach war er querschnittsgelähmt.

Seitdem kämpft der heute 57-Jährige – gegen sein Schicksal, gegen seinen Arzt und gegen eine Justiz, die sich in endlosen Verfahren verliert. Während der Operation sei es 2010 zu einem gravierenden Behandlungsfehler gekommen, bestätigen mehrere medizinische Expertisen. Der Mediziner praktiziert weiterhin im „Hôpital Kirchberg“.

„Wie kann es sein, dass ein Arzt 15 Jahre lang ohne Konsequenzen weitermachen darf?“, fragt sich Claude Gobbo heute. Vom Arzt und dessen Versicherung verlangt er fast drei Millionen Euro. „Ich habe die ganze Zeit Schmerzen. Jede Minute“, sagt er. Ein medizinisches Gutachten bescheinigt ihm eine Invalidität von 84 Prozent.

Ein Leben, das bezahlt werden soll

„Mein Mandant und seine Frau haben kein Leben mehr – und es kümmert niemanden. Der Arzt soll seine Verantwortung übernehmen“, fordert Claude Gobbos Anwältin Lydie Lorang. In einem vom Gericht angeordneten Gutachten heißt es denn auch: „Der Eingriff erfolgte nicht nach den Regeln der ärztlichen Kunst, da mehrere überflüssige und risikobehaftete Handlungen vorgenommen wurden.“

Claude Gobbo verlangt eine Entschädigung für Einkommensverluste, entgangene berufliche Chancen, gesellschaftlichen Statusverlust und zu erwartende Einbußen bei der Rente. Er fordert auch, dass der Arzt sämtliche Folgekosten seiner Behinderung übernimmt: die medizinische Versorgung, eine ganztägige Pflegehilfe, den Rollstuhl, ein angepasstes Auto und ein eigenes barrierefreies Haus. Kostenpunkt: knapp drei Millionen Euro …