Nach seiner Moskau-Reise werden die Folgen für Fernand Kartheiser deutlich: Auf harsche Kritik folgte der Ausschluss aus seiner EU-Fraktion. Während Russland die Angriffe in der Ukraine intensiviert, bleibt der Mehrwert der Visite des ADR-Politikers gering – und einseitig.

Für Fernand Kartheiser selbst war der Zweck seiner Reise nach Moskau klar. Er wollte „Russland aus der Isolation befreien“ und sich „aktiv an den Friedensverhandlungen mit der Ukraine“ beteiligen. Dabei wollte er auch die Lage der Menschenrechte ansprechen und generell den Schutz der Zivilbevölkerung im Krieg in den Vordergrund stellen. Diese Ziele nannte der EU-Abgeordnete in einem Video, das er auf dem Roten Platz in Moskau aufzeichnete und in den sozialen Medien teilte. Ähnlich äußerte er sich vergangene Woche auf einer Pressekonferenz. Die Reise sei auch ein „Zeichen der Freundschaft zwischen Luxemburg und Russland“ gewesen, so Fernand Kartheiser in der Parteizentrale der ADR.

Doch sind das die wahren Beweggründe? Wie wurde der Besuch des Luxemburgers in Russland wahrgenommen? Und welchen Hintergrund hatten die Persönlichkeiten, mit denen Fernand Kartheiser seine angeblichen Friedensbemühungen teilen konnte?

„Erfolgreicher“ Gefälligkeitsbesuch

Auf Nachfrage von Reporter.lu gibt der ADR-Politiker an, mit allen großen russischen Medien Interviews geführt zu haben. Darunter seien die russische Nachrichtenagentur „TASS“, die Nachrichtenportale „RIA Novosti“, „Sputnik“, sowie „Russia Today“. Größtenteils handelt es sich dabei um Medien, denen die Ausstrahlung ihrer Inhalte innerhalb der EU seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine untersagt ist.

Die Nachrichtenagentur „TASS“ zitiert den Luxemburger Politiker wie folgt: „Es ist Zeit, den Dialog mit Russland wieder aufzunehmen.“ Dabei gehe es sowohl um Frieden in der Ukraine als auch um den Schutz der Menschenrechte. Wobei für das Publikum nicht zuletzt die Menschenrechte jener russischsprachigen Minoritäten gemeint sein dürften, die vermeintlich vom Regime in der Ukraine unterdrückt werden. Immerhin nutzte auch der russische Präsident Wladimir Putin das Argument eines „Genozids“ an Russen im Donbass, um die sogenannte militärische Spezialoperation in einer TV-Ansprache am frühen Morgen des 24. Februar 2022 vor seinem Volk zu rechtfertigen.

Nein, ich fühle mich nicht instrumentalisiert. Im Gegenteil. Die russische Berichterstattung über meinen Besuch habe ich als sehr höflich und positiv empfunden.“Fernand Kartheiser

Die Agentur „RIA Novosti“ spart den politischen Kontext der Reise hingegen größtenteils aus. Stattdessen stehen die touristischen Eindrücke von Fernand Kartheiser im Fokus: „Russland und insbesondere Moskau sind schön, sauber und sicher“, wird der EU-Abgeordnete zitiert. Mit fast den gleichen Worten hatte der rechtskonservative US-Journalist Tucker Carlson seine Reiseeindrücke aus Moskau vor rund einem Jahr zusammengefasst. Der ehemalige „Fox News“-Moderator stellte damals ebenfalls fest, dass Moskau „so viel sauberer und ästhetisch schöner“ sei als die Städte in seiner amerikanischen Heimat. Die politische und soziale Lage in der Russischen Föderation blendeten beide Besucher konsequent aus.

Doch Fernand Kartheiser fühlt sich keineswegs von den russischen Medien benutzt, um eine möglichst wohlwollende ausländische Perspektive auf das Land zu verbreiten …