Donald Trump stellt die Weltordnung auf den Kopf. Doch schon jetzt werden die Grenzen seines konfrontativen Vorgehens sichtbar. Am Ende könnte die radikale „America First“-Diplomatie dem Einfluss und den Interessen der USA mehr schaden als nützen.
Es könnte eine Erinnerung an sein Scheitern als Casino-Mogul oder ein Spiegelbild einer Weltanschauung sein, in der Macht vor Recht geht. Was auch immer der Grund sein mag, Donald Trump liebt es, Geopolitik als Kartenspiel zu beschreiben. Die russischen Streitkräfte hätten kürzlich durch den Krieg in der Ukraine „viel Land erobert, also haben sie gute Karten“, sagte der US-Präsident etwa. Auch zum ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj sagte er: „Sie haben keine guten Karten.“
China, Mexiko, Nordkorea, sogar TikTok: Donald Trump hat sie alle als Spieler in einem Kartenspiel beschrieben. Für ihn versteht sich von selbst, dass die USA immer die bessere Hand haben. Seiner Ansicht nach sollte seine militärische und wirtschaftliche Macht ihm den Sieg in jedem diplomatischen Konflikt garantieren. Nur aufgrund der Schwäche und der Dummheit seiner Vorgänger seien andere Länder in der Lage gewesen, das amerikanische Volk auszunutzen oder sich kostenlos unter den Sicherheitsschirm der USA zu begeben.
Damit ist nun Schluss: Donald Trump verspricht, jegliche Trittbrettfahrer gebührend zur Kasse zu bitten. Aber selbst in einer rein transaktionalen Welt, in der die USA Prinzipien aufgeben und sich auf Zwang verlegen, könnte es sein, dass für den Präsidenten das Spiel nicht so problemlos verläuft und sein Blatt nicht so stark ist, wie er denkt.
Drei dringende Konflikte werden die Außenpolitik der USA in den kommenden Monaten und Jahren auf die Probe stellen. Donald Trump hat wiederholt geäußert, dass es ihm leicht fallen werde, alle drei Probleme durch hartnäckige Verhandlungen zu lösen. Das gilt natürlich vor allem für sein Anliegen, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden. Nun, da die erste Phase des Waffenstillstands zwischen Israel und der Hamas zu Ende geht, werden auch Diskussionen über die Zukunft des Gazastreifens und des Nahen Ostens im weiteren Sinne bald an Dringlichkeit gewinnen. Und wichtiger als jede andere außenpolitische Debatte sind die Beziehungen zu China, die Trump versprochen hat, in einer für die USA vorteilhafteren Weise zu regeln. Die Aussichten sind eher bedrückend.
Erfolgreiche Diplomatie für Russland
Am Beispiel des Ukrainekriegs zeigt sich der enorme Einfluss, über den die USA nach wie vor verfügen. Sie können die Streitkräfte der Ukraine lahmlegen, nicht nur durch die Einstellung von Munitionslieferungen, sondern auch durch die Unterbrechung der Kommunikation auf dem Gefechtsfeld, die zu einem großen Teil von SpaceX bereitgestellt wird, einem US-Unternehmen unter der Leitung von Trumps Mitstreiter Elon Musk. Obwohl die europäischen Länder in Erwägung ziehen, ihre Hilfe für die Ukraine aufzustocken, wären sie allein deshalb nicht in der Lage, einen Rückzug der USA vollständig auszugleichen.
Der Einfluss der USA auf Russland ist zwar nicht so weitreichend. Und doch könnte der Präsident die Aussicht auf eine Lockerung der Sanktionen eröffnen, die Russlands Wirtschaft gebremst haben, und den Wunsch des russischen Präsidenten Wladimir Putin erfüllen, ein Mitspracherecht bei den Entwicklungen auf dem europäischen Kontinent zu bekommen …
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