Erst kürzlich wurde Hesperingen durch eine massive Betrugsaffäre erschüttert. Nun flog auf, dass ein Gemeindebeamter jahrelang für nicht geleistete Arbeit bezahlt wurde. Auch in diesem Fall setzen die Verantwortlichen bisher nicht auf eine transparente Aufklärung.

17. Januar 2025, Hesperingen. Bürgermeister Marc Lies (CSV) wünscht den Anwesenden ein frohes neues Jahr. Nach knappen einleitenden Worten soll im Gemeinderat über einen zusätzlichen Punkt der Tagesordnung abgestimmt werden. Für den nicht-öffentlichen Teil der Sitzung ist die Bestätigung eines Urteils des Disziplinarrats gegen einen Beamten der Gemeinde vorgesehen.

Über die Hintergründe des Falls will der Bürgermeister jedoch nicht reden. Die Angelegenheit sei dringlich und es sei im Interesse der Gemeinde, zu handeln, so Marc Lies. Er unterbindet die Diskussion nach nur einer Minute, über den Fall solle erst unter Ausschluss der Öffentlichkeit geredet werden. „Man erfährt mehr im Café als hier im Gemeinderat“, sagt Stephen de Ron (Déi Gréng) daraufhin.

Den Hesperinger Gemeinderäten wurde somit an jenem Tag auch untersagt, über jegliche Details dieses Tagesordnungspunkts zu sprechen. Geht es nach dem Bürgermeister, sollte der Vorfall am besten überhaupt nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Denn nach dem Betrugsskandal von zwei Gemeindebeamten, die über 20 Jahre rund 5,2 Millionen Euro veruntreut hatten, sollte wieder Ruhe in die Verwaltung der 17.000-Einwohner-Gemeinde einkehren.

Immerhin hatte Bürgermeister Marc Lies nach einem Audit der Beratungsfirma „PwC“ verkündet, dass nach der Aufarbeitung dieser Affäre jegliche Schwachstellen in der Kommunalverwaltung behoben worden seien. Das Urteil des Disziplinarrats, das der Schöffenrat der Öffentlichkeit vorenthalten wollte, ist in dieser Hinsicht durchaus brisant. Denn die Schlussfolgerungen des Berichts, der Reporter.lu vorliegt, widersprechen der Darstellung, wonach die Gemeinde ihre Lektionen aus der Betrugsaffäre gezogen habe.

Einbadgen per Telefonanruf

Der ehemalige Beamte, um den es in diesem Fall geht, arbeitete seit Oktober 2018 für die Kommunalverwaltung. Ab Februar 2019 war er in der Personalabteilung tätig und erhielt dort auch Zugang zur Software für die Eintragung der geleisteten Arbeitsstunden. Dabei ist es wichtig, zu wissen: Das Verwaltungsgebäude der Gemeinde ist in Flügel eingeteilt und nur an einem Ort befindet sich ein Gerät, an dem sich die Mitarbeiter zur Zeiterfassung ein- und ausbadgen können.

Ich muss zugeben, dass ich mein Vorgehen auch als Challenge betrachtete, um zu sehen, wie lange meine Vorgesetzten brauchen würden, um etwas zu finden, was sie mir vorwerfen konnten.“Betroffener Ex-Beamter

Für viele Mitarbeiter führte der Weg von ihren Parkplätzen bis zu den Büros nicht an diesem Gerät vorbei. Doch der Flügel, in dem sich die Personalabteilung befindet, kam auf eine durchaus kreative Idee. Wie aus dem Bericht des Disziplinarrats hervorgeht, scheint es üblich gewesen zu sein, die Beamten der Personalabteilung anzurufen, um Bescheid zu geben, wann man am Arbeitsplatz ankam und wann man ging. Besagte Beamten trugen dann die Arbeitszeiten in das System ein, ohne dass die anderen Mitarbeiter ihr Badge benutzen mussten.

Das Verhalten, das dem Beamten in diesem Fall zur Last gelegt wird, betraf allerdings nicht die Arbeitszeiten seiner Kollegen. Vielmehr hatte er seine eigenen Arbeitszeiten ganze 510 Mal angepasst …