Seit knapp einem Jahr ist Xavier Bettel Vizepremier und Außenminister. Doch so richtig ist er noch nicht in seinem Amt angekommen. Bisher macht der liberale Ex-Premier weniger mit diplomatischem Geschick als mit fragwürdigen Aussagen von sich reden. Eine Analyse.
April 2024. Der frisch ernannte Luxemburger Außenminister gibt eines seiner ersten TV-Interviews im Ausland. Thema sind mögliche neue EU-Sanktionen gegen den Iran. Das Interview im „ZDF Morgenmagazin“ dauert bereits sechs Minuten, da sagt Xavier Bettel (DP): „Wir können sie sanktionieren, aber wir können doch jetzt nicht einmarschieren.“ „Um Gottes Willen, darum ging es ja auch gar nicht“, antwortet die „ZDF“-Journalistin Dunja Hayali, etwas verdutzt.
Was ausländische Journalisten nicht wissen können: Der Satz war ein typischer Xavier-Bettel-Vergleich. Eine falsche Äquivalenz zwischen zwei Positionen, wobei eine eigentlich von niemandem gefordert wurde. Doch was in den vergangenen Jahren im politischen Diskurs in der Heimat oftmals funktionierte, etwa während der Corona-Pandemie, kann auf der Weltbühne der Diplomatie zum Problem werden. Dort ist die Wortwahl schließlich das Kerngeschäft.
Am liebsten „off the script“
Xavier Bettels Rhetorik schien auch Anfang des Jahres das Magazin „Politico“ zu verblüffen, als es darum ging, wer zukünftiger Chefdiplomat der EU werden könnte. Im Rennen schien damals auch der ehemalige Luxemburger Regierungschef zu sein. Laut dem Politmagazin mit Sitz in Brüssel waren seine Chancen allerdings gering. Einer der Gründe: Xavier Bettel sei nicht die „diplomatischste“ Person und habe eine Tendenz „to go off script“. Auf Deutsch: Der Ex-Premier improvisiere lieber als sich an verabredete Sprachregelungen zu halten.
Der Bettel-Duktus hat oft etwas von einem Gedanken, der sich selbst beim Denken zusieht. Wo er landet, wird meist erst danach deutlich.“
Noch deutlicher wurde ein in dem Beitrag nicht namentlich genannter Brüsseler Insider. Er könne sich zwar vorstellen, dass man mit Xavier Bettel gerne ein Bier trinken würde. Die auswärtigen Angelegenheiten der EU sollte man dem Luxemburger Liberalen aber wohl nicht anvertrauen, so der wenig diplomatische EU-Diplomat gegenüber „Politico“.
EU-Chefdiplomatin soll bekanntlich die ehemalige estnische Premierministerin Kaja Kallas werden. Für Xavier Bettel blieb es bei der Außenpolitik des kleinen Großherzogtums sowie der hiesigen Entwicklungshilfe. Und doch scheint es so, als ob die Einschätzung des ominösen EU-Diplomaten nicht so abwegig war. Der neue Außenminister wirkt bei seinen öffentlichen Auftritten oft fahrig, seine Standpunkte wirken zum Teil in der Tat improvisiert. Manche Äußerungen zeugen geradezu von einer fast kindlichen Oberflächlichkeit …
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