Seit mehr als drei Jahren führt Russland Krieg gegen die Ukraine. Ein Ende ist nicht in Sicht. Um Wladimir Putin zum Einlenken zu bewegen, müsste Europa den Ukrainern ein Finanzpaket anbieten, das umfangreich genug ist, um den Kreml abzuschrecken.

„Die Geschichte lehrt, dass Kriege beginnen, wenn Regierungen glauben, der Preis der Aggression sei gering“, argumentierte US-Präsident Ronald Reagan 1984. Er veranlasste eine massive Erhöhung des Verteidigungshaushalts der USA, der die Sowjetunion nur dadurch begegnen konnte, dass sie ihre Wirtschaft ruinierte. Am Ende des Jahrzehnts brach das „Reich des Bösen“ zusammen.

Heute sieht sich Europa einer ähnlichen externen Bedrohung gegenüber, nämlich einem aggressiven Russland, das entschlossen ist, die Ukraine zu zerstören und die Einheit der NATO zu brechen. Um dies zu verhindern, muss die Ukraine ausreichend mit Geld und Material versorgt werden, damit sie sich verteidigen, ihre Wirtschaft am Laufen halten und Russland einen empfindlichen Preis abverlangen kann. Die Unterstützer der Ukraine müssen zudem glaubhaft vermitteln, dass sie das Land so lange unterstützen werden, bis Wladimir Putin einsieht, dass er einen langen Krieg nicht gewinnen kann. Der Unterschied besteht nun darin, dass Europa diese Rechnung fast vollständig ohne die USA begleichen muss, die unter Präsident Donald Trump von einem Bündnis abrücken, das 70 Jahre lang den Frieden in Europa gesichert hat.

Die Aufgabe ist gewaltig. „The Economist“ schätzt, dass die Ukraine in den vier Jahren von 2026 bis 2029 rund 389 Milliarden US-Dollar an Bargeld und Waffen benötigen wird (der Einfachheit halber werden an dieser Stelle durchgehend US-Dollar und konstante Preise verwendet), und zwar hauptsächlich aus Europa. Das ist fast doppelt so viel wie die rund 206 Milliarden US-Dollar, die Europa seit kurz vor Kriegsbeginn im Februar 2022 investiert hat. Im gleichen Zeitraum stellten die USA rund 133 Milliarden US-Dollar an Bargeld und Waffen bereit. Anders ausgedrückt: Die Kosten für die Unterstützung der Ukraine ohne die USA müssten für die verbleibenden NATO-Mitglieder von etwa 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 0,4 Prozent steigen. Ob Europa dieser Herausforderung gewachsen ist, wird ein Test für seine Bemühungen um „strategische Autonomie“ sein. Damit ist gemeint, dass Europa nach seinen außenpolitischen Interessen handeln kann, ohne von den USA – oder China – abhängig zu sein.

Europa muss mehr Waffen und Munition liefern

Die ukrainische Regierung verfügt derzeit über ein direktes Verteidigungsbudget von rund 65 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Laut „Dragon Capital“, einer Investmentfirma in Kiew, gibt sie jährlich weitere 73 Milliarden US-Dollar für alle anderen staatlichen Dienstleistungen und Unkosten aus. Die Inlandseinnahmen belaufen sich auf knapp 90 Milliarden US-Dollar, wodurch sich ein jährliches Haushaltsdefizit von etwa 50 Milliarden US-Dollar ergibt. Zusätzlich ist sie auf „Waffenspenden“ angewiesen, darunter amerikanische Raketen und europäische Luftverteidigungssysteme im Wert von rund 40 Milliarden US-Dollar, wie aus Daten des ukrainischen Verteidigungsministeriums hervorgeht, die „The Economist“ vorliegen.

Dies reichte bisher für die Ukraine gerade so aus, um standzuhalten. Die ukrainischen Verteidigungsausgaben stiegen jährlich um etwa 20 Prozent und erreichten damit rund zwei Drittel der wachsenden russischen Ausgaben, obwohl dieser Vergleich der Ukraine möglicherweise schmeichelt. Ein hochrangiger ukrainischer Offizieller vermutet, dass Russlands tatsächliche Kriegsausgaben mehr als doppelt so hoch sein könnten wie der offizielle Haushalt.

Wie viel mehr die Ukraine benötigt, hängt laut einem Regierungsinsider maßgeblich von der zukünftigen Struktur ihrer Streitkräfte ab. „The Economist“ geht davon aus, dass der gesamte Verteidigungsbedarf der Ukraine (einschließlich gespendeter Ausrüstung) real um fünf Prozent pro Jahr steigen wird …