Ein anderer „Wochenrückblick“ ist möglich: Pünktlich zum meteorologischen Frühlingsanfang blickt unsere Redaktion mit einem Augenzwinkern auf Schlagzeilen zurück, die uns besonders beschäftigten. Dieses Mal: junge Wähler und putschende Polizisten.
Na, waren Sie auch im Skiurlaub? Wenn ja, dann müssen Sie das schon beweisen können. Denn es zählt nicht, dass Sie tatsächlich in den Bergen waren, sondern, dass Sie das auch entsprechend in den sozialen Medien ihrer Gefolgschaft mitteilen. Sei es Après-Ski-Feiern oder ADR-Nazis-Nennen: In Zeiten wie diesen zählen nur jene Disziplinen, die auf Instagram oder Facebook stattfinden. Fragen Sie mal unsere emsigen Hashtag-Politiker.
Vielleicht möchten Sie es aber auch einfach lieber für sich behalten und Ihren Urlaub und die Privatsphäre Ihre Kinder unverständlicherweise privat halten. Das ist Ihre Wahl und diese kann man ja – anders als andere in diesen Tagen – irgendwie nachvollziehen. Oder waren Sie etwa gar nicht in den Skiferien? Dann müssen Sie sich aber schon selbst die Sinnfrage stellen, ob Sie tatsächlich ein echter Luxemburger oder echte Luxemburgerin sind. #Vive
Denn was ist angesichts der verkorksten Weltlage verlockender, als klimabewusst mit dem Elon-Tesla ins nächstgelegene Skigebiet zu fahren, die mittels Schneekanonen bestäubten Pisten hinunter zu brettern, den neusten Almhütten-Hits zu lauschen und als Souvenir im besten Fall nur schöne Erinnerungen, im weniger guten Fall Corona oder Influenza und im schlimmsten Fall einen Kreuzbandriss mit nach Hause zu nehmen. Das ist Eskapismus à la luxembourgeoise. Denn die geopolitische Lage ist auch nach den Faschingsferien noch – naja, sagen wir mal – suboptimal.
Demokratie war gestern
Da ist man dann doch auch irgendwie wieder froh, zurück im beschaulichen Marienland zu sein. Immerhin laut #Luc das einzige Land in Europa – ach was, in der Welt – mit einer stabilen Regierung, in der unter Demokraten zwar auch mal „flott“ diskutiert wird, aber doch sonst alles supi ist. Keine Wohnungsnot, keine Baukrise, kein Sozialstreit, keine Rentenmauer, keine Ungerechtigkeiten, keine Schere zwischen Arm und Reich. Das alles sagte Luc Frieden offenbar auch Emmanuel Macron, als dieser ihn, zwar nicht zum „First Date“, aber dann doch wenigstens zum zweiten Ukraine-Treffen mit den anderen „wichtigen“ Regierungschefs dieser Welt eingeladen hatte.
Blöd nur, dass #Luc seine Mail zur Video-Konferenz übersehen hatte und dann schon auf dem Weg in den Pariser Elysée war. Doch der „Président de la République“ hatte an seinem Tisch dann doch etwas Platz für den Luxemburger Premier und seinen rumänischen Amtskollegen. Und was zu Knabbern gab es auch. Da braucht man gar nicht so mürrisch dreinzuschauen. #flott

Doch zurück zur Super-Duper-Demokratie, die offenbar aber nicht jeder als so toll empfindet. Wie die starrsinnige Klugscheißer-Presse sind auch Teile der Luxemburger Wählerschaft wohl einfach zu blöd, zu erkennen, wie gut die „Luxembourg S.A.“ geführt wird. Nur so ist zu erklären, warum laut der „Polindex“-Studie so viele Jungwähler die Demokratie nun nicht als so tight oder lit betrachten. Das Vertrauen in Institutionen, Politiker und Parteien scheint auch sonst nicht gerade auf einem historischen Höchststand zu sein. #SchwierGars
Nichts als gute Absichten
Der CSV-Politiker Alex Donnersbach hat aber eine ganz andere Ursache für den Demokratieverdruss ausgemacht: das Naturschutzgesetz, das eine „effiziente“ Demokratie nicht zulässt – Stichwort Schwalbennester und Kompensierungsmaßnahmen, wie er bei „Radio 100,7“ ausführte. Oder, wie es in Bayern schlicht heißt: „Die Grünen!“
Dass die gesamte politische Klasse eine Mitschuld daran tragen könnte, das kann hingegen kategorisch ausgeschlossen werden. Immerhin beweisen sie Tag für Tag, dass es ihnen ums Allgemeinwohl geht und ganz sicher nicht um sich selbst. Man nehme nur verantwortungsbewusste Lokalpolitiker wie Pim Knaff oder aufopferungsvolle Staatsräte wie Lucien Lux. Doch wird ihnen dafür gedankt? #MerciFirNäischt

Oder nehmen wir den mutigsten Oppositionspolitiker des Universums seit es eine zweiköpfige „Sensibilité politique“ gibt, Marc „Pinky“ Goergen. Dieser hatte bei seinem Rechtsstreit mit der Steuerverwaltung natürlich nicht das eigene Portemonnaie im Visier, sondern nichts weniger als das Gemeinwohl. „Wer mich kennt, der weiß, dass ich keine schlechten Absichten habe. Es geht mir auch hier um das große Ganze“, so der geniale Politikkünstler. Word! Darauf einen Big Mac auf Staatskosten. Sven Clement gefällt das. #Burger
Riquier retörns
Doch lassen wir mal die schnöde Politik und beschäftigen uns mit den Dingen, die die Menschen wirklich umtreiben: die Sozialwahlen im öffentlichen Dienst. Oder noch viel wichtiger: die Zukunft von Pascal Riquier.
Was hat der Marc Goergen der Gewerkschaftswelt nicht schon alles auf sich genommen, um seinem Land zu dienen? Nicht nur als Polizist, nein, vor allem als Gewerkschaftsboss ging es ihm nie um seine Person, sondern immer um die Sache. So war es auch, als der idealistischste und altruistischste Vorsitzende unter der Sonne Dubais sich aus der Polizeigewerkschaft zurückzog und – obwohl zuvor dementiert – mit der CSV in die Wahlen ging, um diese quasi im Alleingang wieder an die Macht zu hieven.
Sein eigenes Schicksal stellte er auch damals hintenan. Trotz eines furios errungenen fünftletzten Platzes auf der CSV-Südliste machte er keinerlei Ansprüche geltend. Kommentarlos nahm er hin, wie Léon Gloden von der Beliebtheit des menschgewordenen Sicherheitsversprechens Pascal Riquier profitierte, um sich selbst zum obersten Sheriff aufzuschwingen – und den treuen Parteisoldaten noch nicht einmal zum Deputy oder sonstwas zu machen. #Sad

Politik ist halt ein undankbares Geschäft und was blieb dem Polizeirentner da anderes übrig, als der CSV den Rücken zu kehren und sich wieder der Gewerkschaftsarbeit zu widmen? Doch auch da treibt sich nur undankbares Gesindel herum. Denn jene, die Pascal Riquier erst zu dem machte, was sie heute sind, wollen ihn nun nicht mehr haben und ihn von der SNPGL-Spitze und von der Berufskammer des öffentlichen Dienstes fernhalten. So oder so kennt diese Episode also nur Gewinner.
Doch Pascal Riquier wäre nicht Pascal Riquier, wenn er nicht neue Allianzen schmieden könnte oder sich einfach wieder unter einem neuen Banner zur Wahl stellen würde. Statt CFGP, halt nun OGBL. Auf die Frage der Radio 100,7“ -Journalistin, was ihn denn mit dieser Gewerkschaft verbinde, gab es vom Kandidaten auch die ehrliche, pardon ehrenhafte Antwort: „D’CGFP hat keng Plaz, mee den OGBL schon“. Oder um es philosophischer auszudrücken: Ob CGFP, CSV oder OGBL, Hauptsache Pascal Riquier.
Alles nur aus Liebe
Doch wollen wir trotz all der negativen Nachrichten nicht nur betrübt in die Zukunft blicken. Denn es gibt ja auch noch gute Nachrichten!
Die Luxemburger Fußballnationalmannschaft der Frauen schießt ihre Gegnerinnen aus Liechtenstein mit 7-0 aus dem Stadion und zeigt, wer unter den Mikrostaaten mit Makro-Finanzplätzen die Krone aufhat!! Und Google kommt endlich nach Luxemburg!!!
Nein, nicht mit dem geplanten Datenzentrum. Dazu gibt es wieder mal nichts Neues zu vermelden. Doch wenigstens ein Büro eröffnet der vertrauenswürdige US-Tech-Konzern nun am Boulevard Royal. Wie viele Arbeitsplätze dadurch entstehen, das wurde bei dem diskreten Event in der Philharmonie mit nur vier Ministern zwar ebenfalls nicht verraten. Doch ist das sowieso zweitrangig. Was zählt, ist die Botschaft: „Wenn du Liebe vor Ort spürst, dann öffnest du ein Büro“, sagte nämlich der Google-Abgesandte. Und erschloss damit der Regierung ein ganz neues Geschäftsfeld.
Nach der brummenden Stahlindustrie, dem blitzsauberen Finanzplatz und dem über jeden Zweifel erhabenen Fondsgeschäft kann das liebenswerte Großherzogtum demnach künftig auf den Verkaufsschlager Liebe setzen, um auch in Zukunft endstabile Regierungen zu produzieren. Aus #GreenFinance wird bald #LoveFinance. Wir können es kaum erwarten!
Also wenn das mal nicht eine schöne Nachricht ist, um in den Frühling zu starten. In diesem Sinne wünschen wir ein „flottes“ Wochenende mit ganz viel Liebe, Zuversicht und Blick für das große Ganze.


