Eine Ölpipeline zwischen Kasachstan und Russland steht im Fokus einer neuen internationalen Recherche, an der sich auch Reporter.lu beteiligte. Westliche Ölfirmen ließen sich demnach jahrelang auf Korruption ein. Luxemburg dient dabei als Nebenschauplatz.

Das Ölfeld im kasachischen Tengiz, gelegen am Kaspischen Meer, ist eines der größten in der Region. Es liegt auf der Hand, dass sich westliche Ölunternehmen, genauso wie die Regierungen in Russland und Kasachstan, dafür interessieren. Ganz vorne mit dabei: der US-Konzern „Chevron“. Bereits 1993, wenige Jahre nach der Unabhängigkeit Kasachstans infolge des Zusammenbruchs der Sowjetunion, schloss der Ölmulti einen Deal ab, um in Tengiz nach Erdöl zu bohren.

Um dieses Öl zu fördern, brauchte es eine Pipeline, die das „Caspian Pipeline Consortium“ (CPC) ab 1999 auf russischer Seite zwischen dem Kaspischen und dem Schwarzen Meer bauen ließ. Diese Pipeline steht nun im Mittelpunkt einer neuen internationalen Recherche. Unter Federführung des „International Consortium of Investigative Journalists“ (ICIJ) beteiligten sich weltweit 46 Journalisten von 26 Medien an der Untersuchung „Caspian Cabals“ teil, darunter auch Reporter.lu.

Was die Journalisten und Journalistinnen in verschiedenen Leaks sowie in Gesprächen mit Whistleblowern und Aktivisten herausfanden, ist ein Meisterstück von Korruption, Machtmissbrauch, Gier und Verstößen gegen Umweltgesetze.

Umweltkatastrophen und Korruption

Die Umweltvergehen ziehen sich vom Bau der Pipeline, der heftige Proteste auslöste, bis zu einem größeren Ölleck 2021 im Schwarzen Meer – nicht weit entfernt von einem der Paläste, die dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gehören sollen. Das gesamte Ausmaß der Umweltkatastrophe wurde nie öffentlich gemacht. Lediglich Satellitenbilder lassen es erahnen.

Um das Ölfeld und die Pipeline zu bauen und Profite zu machen, mussten vor allem die westlichen Firmen viele Kompromisse eingehen. Etwa an die russische staatliche Gesellschaft „Transneft“, die das Monopol auf Pipelines auf dem russischen Territorium hat. Immer wieder zwackten sich Beamte Zahlungen ab, es gingen Verträge an russische Firmen, obwohl europäische über mehr Know-How verfügten oder es wurden überteuerte Rechnungen gestellt für Leistungen, die nie erbracht wurden …