Die Ermordung von Marco S. führte vor ein Luxemburger Gericht, obwohl die Tat in Portugal geschah. Der Prozess offenbarte familiäre Abgründe und internationale Ermittlungsgrenzen. Auch nach dem Urteil des Bezirksgerichts Luxemburg bleiben Fragen offen.

Es ist kein Schauspiel, sondern bittere Realität. Und doch erinnert der Fall an ein Drehbuch. An eine Geschichte von Liebe und Verrat. Von Lüge, Intrige und Gier. „Wenn es nicht so traurig wäre und nicht so schlecht für Herrn S. ausgegangen wäre, könnte man sagen, wir sind mitten in einer Telenovela“, sagt denn auch die Richterin, die in diesem Verfahren den Vorsitz hat. Verhandelt wird dabei über den Tod von Marco S. – ermordet im August 2021 während eines Urlaubs in Portugal.

Vier Jahre später und rund 2.000 Kilometer entfernt muss sich im Oktober 2025 seine damalige Lebensgefährtin Rosa G. vor dem Bezirksgericht Luxemburg für den Tod des 46-Jährigen verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, den Adoptivvater ihrer Tochter vergiftet und anschließend im Rio Mondego in Figueira da Foz ertränkt zu haben. Später soll sie noch Geld von seinen Konten abgehoben haben.

Drei Mal lebenslänglich

Doch Rosa G. steht nicht allein vor Gericht: Auch ihr Sohn Marco Antonio M., ihre Mutter Maria M. sowie deren damaliger Lebensgefährte – und zugleich Liebhaber von Rosa G. – João R. sitzen auf der Anklagebank. Die vier Beschuldigten müssen sich im Großherzogtum verantworten, da ihnen vorgeworfen wird, sich bereits in Luxemburg zu einer verbrecherischen Vereinigung („Association de malfaiteurs“) zusammengeschlossen zu haben, um den Mord an Marco S. zu planen.

Die Mitangeklagten sollen nicht nur von den Mordplänen gewusst, sondern aktiv an der Ausführung der Tat mitgewirkt haben. Mitte Dezember 2025 folgt das Gericht den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Die Richter der 13. Strafkammer verurteilen Rosa G., ihre Mutter sowie João R. nun zu lebenslangen Haftstrafen.

Marco Antonio M., den Sohn der Hauptbeschuldigten, sprachen sie hingegen frei. Allerdings nicht, weil sie davon überzeugt wären, dass der 28-Jährige nichts mit dem Tod von Marco S. zu tun hatte. Vielmehr erklärt sich das Gericht für territorial inkompetent, um seine mögliche Beteiligung an dem Mord zu beurteilen. Aus Sicht der Richter lagen nicht genügend Beweise vor, um ihm eine Beteiligung an der Planung der Tat in Luxemburg nachzuweisen.

Über seine mögliche weitergehende Rolle in Portugal wird demnach ein portugiesisches Gericht befinden müssen. Denn dort erwartet Marco Antonio M. ein weiterer Prozess. Zumindest, wenn das Urteil der Kriminalkammer rechtskräftig wird. Alle Beteiligten können binnen 40 Tagen Einspruch einlegen. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt für alle Angeklagten die Unschuldsvermutung.

Von Lügen und Schweigen

Wie schwierig die Wahrheitsfindung in diesem Fall war, zeigte sich während des Prozesses. Ende Oktober waren fünf Verhandlungstage angesetzt, letztlich wurden es neun. Die Angeklagten verstrickten sich in Widersprüche, belasteten einander und beschuldigten sich zum Teil gegenseitig, Druck ausgeübt zu haben, um eine Kontaktaufnahme mit der Polizei zu verhindern. „Das ist seltsam. In diesem Fall fürchtet jeder jeden“, kommentierte die vorsitzende Richterin.

Es ist ein Mord, der mit außergewöhnlicher Kaltblütigkeit (…) ausgeführt wurde.“Staatsanwältin vor Gericht

Stundenlang konfrontierte die Präsidentin der Kriminalkammer die Angeklagten mit Fragen, um der Wahrheit näherzukommen. Bereits während der Ermittlungen hatten die Beschuldigten ihre Aussagen immer wieder revidiert: „Die Angeklagten präsentieren so viele Versionen des Geschehens, dass sie kaum noch zu zählen sind“, so die Vertreterin der Staatsanwaltschaft …