Im September 2023 tötet Patrick H. seine Frau. Er legt falsche Spuren und meldet sie als vermisst. Doch im Wald bei Scheidgen liegt die Wahrheit. Nun steht der 66-Jährige wegen Mordes vor Gericht. Wie aus einem Familienvater ein geständiger Gewalttäter wurde.
Das Einfamilienhaus in Dommeldingen steht am Ende einer Sackgasse. Hier zogen Patrick H. und Simone G. ihre beiden Kinder groß. Sie lebten ruhig und geordnet. Er war Gemeindebeamter, sie engagierte sich in Vereinen, kümmerte sich um Haushalt und Kinder, unterrichtete Religion an der Grundschule, bevor sie später eine Stelle als Sekretärin bei einem Schützenverein annahm. Bekannte und Angehörige beschrieben beide bei der Kriminalpolizei als „Vorzeigepaar“, das kaum stritt, Zeit miteinander verbrachte und gemeinsam verreiste.
Gut zwei Jahre später sitzen Familienmitglieder und Freunde in den hinteren Reihen eines Gerichtssaals des Bezirksgerichts Luxemburg. Am ersten Verhandlungstag Mitte Januar führen Polizisten Patrick H. in Handschellen hinein. Ein Mann mit weichen Gesichtszügen nimmt auf der Anklagebank Platz. Während er darauf wartet, dass die vorsitzende Richterin den Prozess eröffnet, vermeidet er den Blick ins Publikum. Stattdessen schaut der 66–Jährige immer wieder auf seine Hände. Die Hände, mit denen er in der Nacht zum 29. September 2023 seine Ehefrau im gemeinsamen Haus erwürgte.
Patrick H. bestreitet die Tat nicht. Er steht wegen Mordes vor Gericht. Die Anklage geht von einer vorsätzlichen Tat aus. Zahlreiche Indizien und Vertuschungsversuche stützen diese Annahme. Den Leichnam seiner Frau ließ der Angeklagte in einem Waldstück nahe Scheidgen verschwinden und meldete Simone G. als vermisst. Patrick H. behauptet jedoch, im Affekt gehandelt zu haben.
Von der Trennung zur Tötung
Im Prozess geht es also nicht um die Schuldfrage, sondern um die juristische Einordnung der Tat: Mord oder Totschlag? Beide Verbrechen können lebenslange Haftstrafen nach sich ziehen. Der Fall reicht jedoch über die rechtliche Bewertung hinaus. Der Prozess gewährt Einblick in menschliche Abgründe, erzählt die Geschichte eines Familienvaters, der zum Gewalttäter wird, und wirft die Frage auf, was einen Menschen zu einer solchen Tat treibt. Eine Antwort hat selbst der Angeklagte nicht. „Ech stelle mer all Dag d’Fro, wéi konnts du esou eppes maachen. Een, wéi ech de kenger Méck eppes zur Leed deet”, sagte er vor Gericht.
Der Auslöser für die Tat liegt auf Gran Canaria. Rund zehn Tage vor ihrem Tod trennte sich Simone G. nach 31 Jahren Ehe während eines gemeinsamen Urlaubs auf der Insel von Patrick H. Die 58-Jährige gestand ihm, sich in einen anderen Mann verliebt zu haben. Trotzdem teilten sie die nächsten Tage weiterhin dasselbe Hotelzimmer, reisten gemeinsam zurück und lebten bis zur Tat unter einem Dach.
En huet vu senger Fra wéi vun engem Objet geschwat, an net wéi vun enger Persoun, mat där e säit 40 Joer zesumme war.“
Polizeiermittler vor Gericht
Nichts deutet darauf hin, dass Simone G. eine drohende Gefahr erkannte. Offenbar konnte sie sich nicht vorstellen, dass der Mann, den sie seit rund 40 Jahren kennt, ihr etwas antun könnte. Doch als sie am 29. September kurz nach Mitternacht nach einem Essen mit Bekannten nach Hause kam, schloss sie zum letzten Mal die Haustür hinter sich …
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