Das Bildungsministerium hält eine Studie zur Reform der Alphabetisierung unter Verschluss, da sie offenbar nicht die erhofften Erfolgszahlen liefert. Der Fall wirft die Frage auf: Wo endet die Kontrolle und wo beginnt die politische Einflussnahme auf die Wissenschaft?

Wer Anfang Juni den Bericht zum sogenannten Projekt Alpha des „Luxembourg Centre for Educational Testing“ (Lucet) einsehen wollte, erhielt über die Publikationsplattform der Universität Luxemburg eine überraschende Antwort des Lucet: „Einige Ergebnisse weichen von den Erwartungen des Alpha-Pilotprojekts ab.“ Weiter hieß es: „Auf Anfrage des Bildungsministeriums und des Script bleibt der Bericht bis Juli 2026 unter Embargo.“ Diese Antwort veranlasste die CSV-Abgeordneten Ricardo Marques und Marc Lies zu einer parlamentarischen Anfrage an Bildungsminister Claude Meisch (DP). Seine Antwort darauf folgte ungewöhnlich schnell – schon am nächsten Tag – und ließ sich auf den Satz reduzieren: „Bitte weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen.“

Der Vorgang überrascht aus mehreren Gründen. Selten stellen Abgeordnete der Regierungsmehrheit kritische Fragen an Minister aus der Koalition. Noch seltener antworten Minister darauf so zügig. Und auch der Inhalt der Antwort wirft neue Fragen auf. Aus einer Diskussion über die Methodik einer Studie wird so zunehmend eine Debatte über das Verhältnis zwischen Politik und Forschung – oder vielmehr über die Unabhängigkeit der Wissenschaft im Land.

Ein Embargo, das stutzig macht

Doch zurück zum Anfang: Das Bildungsministerium beauftragte das Lucet, das Pilotprojekt zur Alphabetisierung auf Französisch in der Grundschule wissenschaftlich zu begleiten. Das Lucet ist einer von vielen Akteuren in diesem Bereich, arbeitet jedoch als einziges mit quantitativen Methoden. In diesem Fall verglich es Testergebnisse von Schülern aus den Pilotschulen mit denen aus Einrichtungen, die nur auf Deutsch alphabetisieren. Andere Studien setzen auf qualitative Methoden, etwa Interviews mit Lehrern oder Eltern. Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile, doch quantitative Methoden gelten als präziser, um Schulleistungen zu bewerten. Genau diese Einschätzung stößt beim Bildungsministerium jedoch auf Widerstand.

Wie es in der schriftlichen Antwort des Lucet auf eine Anfrage der Gewerkschaft SNE hieß, seien die gleichen Methoden wie bei vorherigen Studien angewendet worden. Dennoch werden diese nun hinterfragt. „Während der Sitzung vom 7. Mai 2026 hat das Steering Committee des Lucet einstimmig entschieden, dass eine zusätzliche Peer-Review-Etappe vor der Veröffentlichung des Berichts eingeleitet werden soll“, schreibt das Ministerium in seiner Antwort auf die parlamentarische Anfrage von Ricardo Marques und Marc Lies.

Doch ein Blick ins Sitzungsprotokoll zeigt: Von Freiwilligkeit kann keine Rede sein …