Julie Conrad entwirft Möbel, baut Paravents und hat aus der Bauplane des Pont Adolphe Taschen gestaltet. Der Weg zum Erfolg war nicht leicht. Ein Gespräch über die Nische des Kreativhandwerks, die Hürden der Selbstständigkeit und warum Design auch Nation Branding ist.

Von Produktdesignerin bis hin zu Kunsthandwerkerin passen eigentlich viele Begriffe zu Ihnen. Als was verstehen Sie sich?

Das, was ich mache, ist Kreativhandwerk. Ich arbeite viel mit den Händen, teste Materialien, arbeite Prototypen aus, mache Zeichnungen, um am Ende ein Produkt schaffen zu können. Das Kreative ist aber nur einen Teil meiner Arbeit als Produktdesignerin. Mir geht es nicht darum, mich in meiner Arbeit auszudrücken. Ich richte mich nach den Vorgaben, die der Kunde mir gibt. Was darf ich? Was darf ich nicht? Ich brauche klare Anweisungen, dann kann ich das Projekt in meinem Stil umsetzen.

In Luxemburg steigen viele junge Leute ins Handwerk ein, die Szene des Produktdesigns ist aber vergleichsweise klein. Kommt die eigentliche Konkurrenz aus dem Ausland?

Schon alleine durch das Internet ist die Konkurrenz für uns alle riesengroß. Ich bleibe nur relevant, wenn ich Dinge entwickle, die auch innovativ sind. Und dennoch ist es schwer. Denn die Menschen investieren ihr Geld gerne in Stücke von ausländischen Designern, von denen jeder den Namen kennt. Das verstehe ich auch, schließlich gibt man sein Geld gerne für etwas Besonderes aus.

Also bleiben die Kunsthandwerker auf der Strecke?

Für Luxemburger Handwerker oder Kunsthandwerker ist es schwieriger. Die Qualität stimmt, der Name ist aber nicht international bekannt. Das hält viele davon ab, zu investieren. Design in Luxemburg ist immer noch eine harte Nuss.

Was waren die Herausforderungen, die auf Sie warteten, als Sie sich selbstständig machten?

Am Anfang habe ich von zu Hause aus gearbeitet, später hat mir eine Person ein Büro zur Verfügung gestellt, die glücklicherweise noch ein bisschen Platz für mich hatte. So lange, bis ich es mir leisten konnte, mein eigenes Büro zu mieten. In Luxemburg ist es schwierig, als Selbstständige zu mieten – und zu finanzieren. Die Preise sind hoch. Hinzu kommen Sozialabgaben und Steuern – ein ganzer Batzen Geld. Ich würde mich nie darüber beschweren, weil ich weiß, wofür ich es mache. Und dennoch ist es sehr schwer, das alles finanziell zu stemmen.

Ich frage mich immer: Was ist das Worst Case Scenario? Und dann ist alles, was passieren könnte, doch irgendwie erträglich. »

Ist das der Grund, warum die Szene in Luxemburg so überschaubar ist?

In meinen Augen liegt es zu einem großen Teil an den Büro-Preisen in Luxemburg. Viele versuchen sich selbstständig zu machen, hören dann aber wieder auf, weil es finanziell nicht machbar ist. Das Risiko ist einfach groß, dass es am Ende mit der Selbstständigkeit doch nicht klappt. Das schreckt viele ab.

Und Sie nicht?

Ich selbst hatte viele Momente, in denen ich dachte: Ok, noch ein Projekt und dann schmeiße ich hin. Richtig viele solcher Momente hatte ich. Und dabei wusste ich immer, dass ich alles gebe. Ich sehe einfach eine gewisse Schwierigkeit für junge Designer, die sich gerne selbstständig machen würden.

Was bräuchte es, um die nationale Designszene zu unterstützen?

Es gibt ja schon Plattformen, wie das Creative Cluster, die Kunden und Kreative zusammenführen und vernetzen. Da hat sich in der letzten Zeit viel getan. Was ich mir wünschen würde, wäre die Unterstützung, um an Designmessen teilnehmen zu können – etwa vom Kulturministerium, der Chambre de Commerce oder der Chambre des Metiers. Das ist etwas, das ich und meine Design-Freunde bräuchten.

Warum wäre das so wichtig?

Wir hätten ein Schaufenster zur internationalen Designszene. In Luxemburg gibt es das Design City, ein super Festival, das aber recht klein ist. Was uns als Gruppe fehlt, ist, dass wir auf Messen wie Maison et Objet oder Salone del Mobile als Land vertreten sind. Ein einzelner Designer kann sich das nicht leisten – ein Stand kostet mehrere tausend Euro. Man könnte aber pro Jahr ein paar Designer aussuchen und die zu den großen Messen schicken, um Luxemburg dort zu vertreten. Auch das ist Nation Branding.

Man sagt immer, dass nichts über ein gutes Netzwerk geht. Gilt das auch für das Kunsthandwerk?

Es ist sehr wichtig. Man kann natürlich auch andere Wege gehen und Werbung schalten, ich persönlich ticke nicht so. Marketingmäßig bin ich eher schlecht. Ich finde das unnatürlich. Das Gute ist, dass wir in Luxemburg auch Unterstützung vom Creative Cluster und von den Museen erhalten. Sie haben uns unter ihre Fittiche genommen und binden uns in Projekte und Workshops mit ein.

Die Selbstständigkeit in der Kreativszene ist demnach risikoreich. Hätten Sie eigentlich einen Plan B?

Ich frage mich immer: Was ist das Worst Case Scenario? Was wäre das schlimmste, das passieren könnte. Und dann ist alles, was passieren könnte, doch irgendwie erträglich. Das ist mein Mind-Set. Natürlich habe ich mir schon des Öfteren überlegt: Was würde ich machen, wenn ich das hier nicht machen würde. Mir fallen auch Sachen ein, die irgendwie ok wären. Das, was ich mir aufgebaut habe und die Projekte, die wir als Team machen – dafür will ich aber kämpfen.