Dan Hardy war fast 20 Jahre lang Journalist. Jetzt kandidiert er bei den Parlamentswahlen für die ADR – und hat Angst, dass die Medien ihn falsch darstellen. Porträt eines Missverstandenen.

Montag, halb zehn: Der Himmel ist grau, und es ist noch ruhig in der Avenue de la Porte Neuve. Vor allem ältere Passanten schlendern an den Verkaufsständen entlang die Straße hoch. Neben der früheren „Bourse“ bemerken einige ein bekanntes Gesicht.

„Ech kennen Iech vun RTL“, sagt eine stämmige Frau mit weißem Haar, die mit ihrem Rollator vor dem Stand der ADR stehen bleibt. Dan Hardy begrüßt sie mit verhaltenem Grinsen. Er wirkt etwas müde. Der ehemalige RTL-Journalist war früh auf den Beinen: Schon vor 8 Uhr hat er seinen ADR-Kollegen geholfen, den Braderie-Stand aufzustellen.

Kein Wunder, dass die Passanten sein Gesicht kennen. Noch vor wenigen Monaten stand Hardy vor der RTL-Kamera und berichtete vornehmlich über lokale Themen. Jetzt steht er hinter einer orangefarbenen Bierbank, auf der Flugblätter und Visitenkarten der ADR-Kandidaten ausgebreitet sind. Er unterstützt die Partei auf der Braderie, dem inoffiziellen Startschuss für den Wahlkampf. Als Kandidat im Zentrum will er auf Anhieb ins Parlament einziehen.

Zurückhaltender Zuhörer

Um sein Ziel zu erreichen, sucht Dan Hardy am ADR-Stand das Gespräch mit den Wählern. „Wegen der Scheidung musste ich von heute auf morgen 4.000 Euro Steuern pro Jahr zusätzlich zahlen,“ erzählt eine ältere Frau mit blonden Locken. „Mittlerweile hause ich in Deutschland auf einem Campingplatz, weil es in Luxemburg keine Unterstützung gab. Man hat mir hier nur gesagt, ich soll mal im Obdachlosen-Foyer ‚Ulysse‘ nachfragen, ob es dort keinen Platz gibt.“

Dan Hardy hört zu, und nickt verständnisvoll: „Dat muss ermiddend sinn, wann dat esou laang schleeft.“ Mit politischen Lösungsvorschlägen hält der ADR-Kandidat sich jedoch auffällig zurück. Vielleicht liegt es daran, dass ein Journalist aufmerksam zuhört und sich Notizen nimmt.

Dass die ADR heute in der Avenue de la Porte Neuve auf Stimmenfang geht, ist Zufall. Doch eigentlich ist es der perfekte Ort, um ein Porträt von Dan Hardy zu zeichnen. Der heutige ADR-Kandidat sorgte nämlich vor rund drei Jahren für Aufregung, als er im Sommer eine Reportagenreihe für RTL produzierte, die sich größtenteils in dieser Straße abspielte: im Binnenhof der früheren „Bourse“, direkt vor dem Alima-Supermarkt.

Kontroverse Reportagen

„Ich fühlte mich damals komplett falsch verstanden“, sagt Hardy rückblickend, während er auf der Terrasse neben dem ADR-Stand zum Pfefferminztee greift. In den Berichten, die im Sommer 2015 ausgestrahlt wurden, hatte der damalige RTL-Reporter Geschäftsleute aus dem Binnenhof der „Bourse“ zu Wort kommen lassen, die sich über die Obdachlosen vor ihren Läden beschwerten.

In einem Bericht heißt es, die Bettler ließen sich „in zwei große Kategorien einteilen: Die, die aus persönlicher Not betteln, und jene, die organisiert der gleichen Praxis nachgehen, wobei es sich meist um Roma handelt.“ Andere Medien und einzelne Politiker kritisierten solche Kategorisierungen damals als einseitig bis demagogisch.