Die neueste PISA-Studie bescheinigt Luxemburgs Schülern historisch schlechte Leistungen. Erneut zeigt sich, dass das nationale Schulsystem zu den ungerechtesten der Welt gehört – trotz aller Reformbemühungen der Regierung. Eine Analyse.
„Der Beginn dieses Schuljahres steht im Zeichen von PISA“, erklärte Bildungsminister Claude Meisch (DP) am vergangenen Donnerstag direkt zu Beginn seiner alljährlichen „Rentrée“- Pressekonferenz. „Diese Rentrée kann man auch als Rentrée der Gerechtigkeit bezeichnen“, fügte er hinzu. Die Regierung habe bereits in den letzten Jahren Reformen beschlossen, die zum Teil als Antwort auf die neue PISA-Studie gewertet werden können, so der Minister.
Der internationale Vergleich, den die PISA-Studie zieht, zeigte erneut, dass der schulische Erfolg in Luxemburg wie in fast keinem anderen Land vom sozioökonomischen Hintergrund der Schüler abhängt. Und die Gerechtigkeit, die Claude Meisch ansprach, besteht etwa darin, das Kindergeld zu erhöhen, die Kinderbetreuung zu reformieren und die Alphabetisierung auf Französisch einzuführen. All dies sei keine abschließende Antwort auf die PISA-Studie, aber als erster Ansatz zu verstehen, betonte der Bildungsminister.
Warum die bisherigen Reformen jedoch vermutlich nicht ausreichen, wird beim Lesen der einzelnen Ergebnisse der PISA-Studie klar. Zwar ist die Entwicklung in fast allen 91 Teilnehmerstaaten negativ und demnach kein isoliertes Phänomen für Luxemburg. Aber der Leistungsabsturz der Luxemburger Schüler ist gleich aus mehreren Gründen besonders besorgniserregend.
Vier von zehn verpassen Mindestanforderung
Der PISA-Studie 2025 zufolge erreichen rund 38 beziehungsweise 37 Prozent aller 15-jährigen Schülerinnen und Schüler im Großherzogtum nicht die nötigen Lese- und/oder Mathekompetenzen, um an der Gesellschaft oder am Arbeitsleben teilnehmen zu können. Für rund 30 Prozent gilt das auch für ihre Fähigkeiten in den Naturwissenschaften. Demnach können sie zwar vielleicht einen Text lesen, sie verstehen diesen aber nicht. Und dabei geht es nicht um die Fähigkeit, sehr abstrakte Zusammenhänge zu verstehen, sondern nur darum, beispielsweise zu wissen, welche mathematische Formel man anwenden soll, um herauszufinden, welches Produkt im Supermarkt preiswerter ist.
Der sozioökonomische Status ist weltweit nach wie vor einer der aussagekräftigsten Indikatoren (…). Sozioökonomische Benachteiligung entscheidet jedoch nicht allein über den schulischen Erfolg.“PISA-Studie 2025
Die Verschlechterung bei der Lesekompetenz zeichnete sich bereits bei der vorigen PISA-Studie vor sieben Jahren ab. Rund 30 Prozent besaßen damals keine ausreichenden Fähigkeiten, um vollumfänglich in der Gesellschaft funktionsfähig zu sein. In der Mathematik war der Wert mit 27,3 Prozent leicht besser und in den Naturwissenschaften erreichte „nur“ rund ein Viertel aller Schüler nicht das nötige Kompetenzniveau. Die Verschlechterung ist demnach in den Bereichen der Mathematik und des Leseverstehens gleich stark ausgeprägt.
Nach der Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse zeigte sich der Bildungsminister vor allem wegen der schlechten Resultate im Leseverstehen besorgt. „Das muss uns Sorgen machen, denn Lesen ist die Basiskompetenz zum Lernen, und wenn ich einen komplexen Text nicht mehr verstehen kann, dann verstehe ich auch eine komplexe Gesellschaft nicht mehr“ …
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