Der sogenannte Bis-Prozess rückte die Bommeleeër-Affäre Ende 2025 wieder ins Rampenlicht. Den Attentätern näher kam die Justiz dabei nicht. Dafür wurde der Eindruck verstärkt, dass seinerzeit an einer Aufklärung des Falls wenig Interesse bestand. Ein Rückblick.
Dass aus Zeugen Angeklagte werden, ist an sich schon außergewöhnlich. Wenn es sich dabei auch noch um frühere hochrangige Offiziere der Sicherheitsbehörden handelt, wird es noch um einiges brisanter. Und wenn das Ganze dann auch noch im Zusammenhang mit dem größten ungelösten Kriminalfall der Luxemburger Geschichte steht, ist das öffentliche Interesse gewiss. Vorhang auf also für den sogenannten Bommeleeër-Bis-Prozess, der Ende 2025 am Bezirksgericht Luxemburg verhandelt wurde.
Dort, am Bezirksgericht Luxemburg, hatten die sechs Angeklagten bereits zwölf Jahre zuvor ausgesagt. Damals als Zeugen im ersten Bommeleeër-Prozess, in dem sich die beiden ehemaligen Mitglieder der „Brigade Mobile de la Gendarmerie“ (BMG), Marc Scheer (70) und Jos Wilmes (68), als mutmaßliche Urheber der Anschläge in den 1980er Jahren verantworten mussten. Dieses Verfahren wurde damals, im Juli 2014, nach 177 Verhandlungstagen ausgesetzt – eben, weil sich die sechs Zeugen mit ihren Aussagen vor Gericht verdächtig gemacht hatten, woraufhin weitere Ermittlungen eingeleitet wurden.
112 Falschaussagen und viele offene Fragen
Diese Ermittlungen führten zum Bommeleeër-Bis-Prozess, der zwischen November und Dezember 2025 insgesamt 13 Verhandlungstage in Anspruch nahm. Wer sich jedoch eine Aufklärung der Anschlagsserie erhofft hatte, wurde enttäuscht. Die Justiz konzentrierte sich nicht auf die mutmaßlichen Täter, sondern auf jene, die den Fall hätten aufklären sollen. Sie stehen wegen Meineids vor Gericht. Sie sollen ihre Aussagen absichtlich verfälscht und die Ermittlungen zu den Anschlägen behindert haben. Insgesamt geht es um 112 mutmaßliche Falschaussagen.
Doch in diesem Verfahren geht es um weit mehr. Es geht um das Vertrauen in die Justiz und den Sicherheitsapparat. Denn sollte es im Nebenprozess zu einer rechtskräftigen Verurteilung kommen, würde dies bedeuten, dass ranghohe Mitglieder der „Force publique“ nachweislich und wissentlich dazu beigetragen haben, Attentäter zu decken, die mit ihren Anschlägen ein ganzes Land terrorisierten. Und das bleibt, auch wenn die Taten inzwischen rund 40 Jahre zurückliegen, eine Erkenntnis von erheblicher politischer und institutioneller Tragweite.
Et ass eng Risesauerei, wat hei geschitt ass (…). Mat der Justiz ass Schlitt gefuer ginn.“Staatsanwältin Dominique Peters
Wie vor zwölf Jahren saßen aber auch diesmal die mutmaßlichen Attentäter im Gerichtssaal, diesmal aber in der letzten Reihe. Ihre neuen Anwälte, Me Thierry Hirsch und Me Max Lehnen, haben das Verteidigerteam um Me Lydie Lorang und den 2024 verstorbenen Me Gaston Vogel ersetzt. Marc Scheer und Jos Wilmes sehen sich als Opfer. Wegen der mutmaßlichen Falschaussagen ihrer Vorgesetzten sei ihnen ein Urteil im Hauptprozess verwehrt geblieben.
Sie fordern jeweils rund 580.000 Euro Schadensersatz von den Angeklagten – 140 Euro für jeden der 4.165 Tage seit der Prozessunterbrechung 2014. Marc Scheer und Jos Wilmes, so die Argumentation, leben seit Jahren in einem „Glaskäfeg“ und können kein normales Leben führen …
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